Wer Gold ein Jahr hält, ist steuerfrei. Bitcoin gehört nach BFH-Urteil 2023 in dieselbe steuerliche Kategorie. Wie rechtfertigen Sie eine Schlechterstellung von Bitcoin gegenüber Gold?
Sehr geehrter Herr Pellmann,
als direkt gewählter Abgeordneter für den Wahlkreis Leipzig II werden Sie über die geplante Reform der Krypto-Haltefrist im Bundestag abstimmen. Hintergrund meiner Frage:
Mit dem Eckwertebeschluss zum Bundeshaushalt 2027 vom 29.4.2026 hat die Bundesregierung eine Verschärfung der Krypto-Besteuerung als 2-Mrd-Euro-Mehreinnahme eingeplant [1]. Am 20.5.2026 hat der Finanzausschuss den parallelen Grünen-Gesetzentwurf 21/5752 abgelehnt; die Reform läuft seither ausschließlich über den BMF-Referentenentwurf (Juni), Kabinettsbeschluss Anfang Juli [2].
Der BFH hat Bitcoin mit Urteil IX R 3/22 vom 14.2.2023 als 'sonstiges Wirtschaftsgut' nach §23 EStG anerkannt — dieselbe Kategorie wie Gold und Antiquitäten [3]. Eine isolierte Abschaffung der Frist allein für Krypto würde diesen Gleichklang im Steuerrecht durchbrechen.
[1] bundesfinanzministerium.de, PM 29.4.2026
[2] bundestag.de, hib-Kurzmeldung 1179034
[3] bundesfinanzhof.de, Urteil IX R 3/22
Sehr geehrter Herr R.,
vielen Dank für Ihre Frage. Die Linke sieht insgesamt in der Macht der Banken und Finanzmärkte ein gesellschaftliches Problem. Aber konkret zu Ihrer Frage. Sie argumentieren, dass langfristige Halter keine Spekulanten seien. Im Prinzip kann man aber mit allem spekulieren. Ich erinnere an die Tulpenblase im 17. Jahrhundert. Aus finanzpolitischer Sicht bleibt die aktuelle steuerliche Regelung daher jedoch unfair und inkonsistent. Die Anfälligkeit für Geldwäsche und Steuervermeidung in diesem Bereich lässt sich nicht leugnen. Während Gewinne aus Aktienverkäufen unabhängig von der Haltedauer versteuert werden müssen, genießen Kryptowerte oder auch die Spekulation mit Gold ein Privileg, welches aus dieser finanzpolitischen Sicht ungerecht ist. Fakt ist: Kryptowerte verhalten sich am Markt wie Aktien. Derzeit sind Aktien gegenüber Kryptowerten und Gold sogar schlechter gestellt, da es für sie keine steuerfreie Haltefrist gibt. Wer in diesem Sinne Gleichbehandlung fordert, muss hier konsequenterweise auch für die Abschaffung der steuerfreien Haltefrist für Krypto, aber auch Gold stimmen.
Mit freundlichen Grüßen
Sören Pellmann

