Werden Sie sich dafür einsetzen, dass der direkte Zugang zu Psychotherapie für Patienten bestehen bleibt (ohne Umweg über Ärzte) und dass die Honorarkürzungen für Ps.therapeuten rückgängig werden?
Sehr geehrte Frau Fischer,
In der heutigen Zeit geht es immer mehr Menschen psychisch schlecht. Die Wartezeiten für einen Therapieplatz sind lang, oft verschlimmern sich Symptome im dieser Zeit.
Das sehe ich als Psychotherapeutin regelmäßig!! Jetzt auch noch unsere Honorare zu kürzen nach einer sehr langen und sehr teuren Approbationsausbildung, ist ein Schlag ins Gesicht. Auch, dass die ersten 10 Sitzungen einer Kurzzeittherapie finanziell belohnt werden, finde ich kein gutes Signal, denn dann nimmt niemand mehr die schwierigen, langwierigen Fälle??
Ich wünsche mir mehr Dialog mit den Berufsverbänden der Psychotherapeuten.
In anderen Bereichen gibt es Gewerkschaften, die regelmäßig für Lohnerhöhungen kämpfen, bei den Psychotherapeuten wurde einfach von oben bestimmt. Ggf wäre auch ein Zuzahlungsmodell denkbar o.ä.
Ich bitte Sie, das Thema aufzugreifen und weiter zu tragen oder mir ggf mitzuteilen, wo ich es besser/zusätzlich platzieren kann. Vielen Dank.
Sehr geehrte Frau S.,
vielen Dank für Ihre Frage und Ihre wichtigen Anregungen.
Ich teile Ihre Sorge ausdrücklich: Aus gesundheitspolitischer Sicht ist die Absenkung der Vergütung für psychotherapeutische Leistungen angesichts der bereits bestehenden Versorgungslücken inakzeptabel.
Nach dem Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses vom 11. März 2026 soll die Vergütung für psychotherapeutische Leistungen ab dem 1. April um 4,5 Prozent sinken. Es ist nicht nachvollziehbar, dass ausgerechnet Psychotherapeut*innen künftig geringere Honorare für die Behandlung gesetzlich Versicherter erhalten sollen. Psychotherapeutische Arbeit muss angemessen vergütet werden.
In einer Situation, in der der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung kontinuierlich steigt, die Wartezeiten für Patient*innen vielfach unzumutbar lang sind und Praxen zugleich unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen, sendet eine pauschale Honorarkürzung ein fatales Signal. Wenn wirtschaftlicher Druck auf Praxen wächst und Fehlanreize zulasten von GKV-Versicherten entstehen, gefährdet dies die Versorgung insgesamt.
Was es stattdessen braucht, sind nachhaltige Reformen und strukturelle Verbesserungen. Pauschale Kürzungen sind nicht geeignet, bestehende Fehlsteuerungen oder die finanzielle Schieflage im Gesundheitssystem zu beheben. Im Gegenteil: Angesichts vielfältiger gesellschaftlicher Krisen beobachten wir derzeit einen deutlichen Anstieg psychischer Belastungen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Das bestehende Hilfesystem wird dieser Entwicklung zunehmend nicht mehr gerecht und stößt bereits heute an seine Kapazitätsgrenzen.
Hinzu kommt, dass die Zugänge zum Hilfesystem weiterhin mit zu vielen Hürden verbunden sind. Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen in psychischen Krisen monatelang auf passende Hilfe warten müssen und die Zahl der Suizide weiter steigt. Ziel muss sein, allen Menschen bei Bedarf einen niedrigschwelligen Zugang zu passgenauen psychosozialen und therapeutischen Angeboten zu ermöglichen.
Eine Reform der Bedarfsplanung ist daher überfällig. Wir haben die Bundesregierung damit konfrontiert, ob sie aus dem Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses Konsequenzen zieht und die psychotherapeutische Bedarfsplanung voranbringt. Die Antwort ist aus unserer Sicht enttäuschend: Strukturelle Reformen sind derzeit nicht vorgesehen.
Wir Grüne bleiben jedoch nicht untätig und haben deshalb den Eilantrag „Psychotherapeutische Versorgung strukturell stärken“ (Drucksache 21/4954) in den Deutschen Bundestag eingebracht. Darin fordern wir unter anderem eine Reform der Bedarfsplanung, die sich am tatsächlichen Versorgungsbedarf orientiert. Zudem setzen wir uns für eine eigenständige Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche ein, da sie auf wohnortnahe und gut vernetzte Angebote angewiesen sind.
Darüber hinaus ist es unser Ziel, die Versorgung zwischen städtischen und ländlichen Regionen anzugleichen, um gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen. Obwohl psychische Erkrankungen im ländlichen Raum nicht seltener auftreten als in Städten, stehen dort deutlich weniger Versorgungsangebote zur Verfügung. Diese Ungleichheit muss dringend behoben werden. Ebenso braucht es gezielt mehr Angebote für Menschen mit schweren und chronischen psychischen Erkrankungen, um ihren Zugang zur ambulanten Versorgung zu verbessern.
Klar ist auch: Eine zukunftssichere Versorgung ist nur mit ausreichend Fachkräften möglich. Deshalb fordern wir eine verlässliche Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung.
Es ist uns ein zentrales Anliegen, dass jeder Mensch die Unterstützung erhält, die er oder sie benötigt. Wir werden uns daher weiterhin mit Nachdruck für faire finanzielle Rahmenbedingungen einsetzen. Denn psychische Gesundheit darf nicht vom Geldbeutel oder vom Versicherungsstatus abhängen.
Mit freundlichen Grüßen
Simone Fischer

