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Simone Fischer
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Frage von Karin F. •

Werden Sie sich für eine nachhaltige psychotherapeutische Versorgung und gegen die Budgetierung von Psychotherapie einsetzen?

Sehr geehrte Frau Fischer,
obwohl es klare Empfehlungen GEGEN eine Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen gab, soll der Gesundheitsausschuss nun hierüber entscheiden. Eine Abwägung, die aus gesamtgesellschaftlicher, ökonomischer und sozialer Sicht nur gegen die Budgetierung bisher extrabudgetärer psychotherapeutischer Leistungen ausfallen kann. Alles andere würde zu einer drastischen Verschlechterung der psychotherapeutischen Versorgung und langfristig zu einem deutlichen Anstieg an Folgekosten (Krankenzeiten, stationäre Aufenthalte, Erwerbsunfähigkeitsberentungen, Anstieg psychisch kranker Kinder und Jugendlicher mit entsprechend eingeschränkter Leistungsfähigkeit als zukünftige Rentensicherer, etc.) führen.
Daher bitte ich Sie, sich für eine gute und nachhaltige psychotherapeutische Versorgung einzusetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Karin F.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau F.,

vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihr Engagement für eine gute psychotherapeutische Versorgung.

Ich teile Ihre Sorge ausdrücklich: Die diskutierten Einschränkungen bei bislang extrabudgetären psychotherapeutischen Leistungen sowie die bereits beschlossenen Honorarkürzungen sind aus gesundheitspolitischer Sicht hochproblematisch. Gerade angesichts der bestehenden Versorgungslücken und der langen Wartezeiten wäre es kurzsichtig, ausgerechnet bei der psychotherapeutischen Versorgung Einschnitte vorzunehmen. Denn eine schlechtere und schwerer zugängliche Versorgung führt nicht nur zu mehr individuellem Leid, sondern mittel- und langfristig auch zu höheren gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Kosten – etwa durch chronische Krankheitsverläufe, mehr Krankenhausaufenthalte, Arbeitsausfälle und Frühverrentungen. Psychotherapeutische Versorgung muss deshalb verlässlich und bedarfsgerecht finanziert werden.

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen. Der Bedarf an psychotherapeutischer Unterstützung ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, während das bestehende Hilfesystem vielerorts bereits an seine Grenzen stößt. Es darf nicht sein, dass Menschen in psychischen Krisen monatelang auf passende Hilfe warten müssen.

Wir Grüne haben daher bereits anlässlich der Honorarkürzungen in der Psychotherapie den Eilantrag „Psychotherapeutische Versorgung strukturell stärken“ (Drucksache 21/4954) in den Deutschen Bundestag eingebracht: https://dserver.bundestag.de/btd/21/049/2104954.pdf

Statt pauschaler Kürzungen braucht es nachhaltige strukturelle Reformen. Dazu gehören insbesondere eine am tatsächlichen Bedarf orientierte psychotherapeutische Bedarfsplanung, bessere Versorgungsangebote im ländlichen Raum sowie eine eigenständige Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche. Ebenso notwendig ist eine verlässliche Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung, damit auch künftig ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stehen.

Ich werde mich daher im Rahmen der parlamentarischen Beratungen zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz weiterhin dafür einsetzen, dass angemessene finanzielle und strukturelle Rahmenbedingungen für die psychotherapeutische Versorgung geschaffen werden. 

Mit freundlichen Grüßen

Simone Fischer

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