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Simone Borchardt
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Frage von Christoph K. •

Warum macht die Kommission für die Kassen nur Vorschläge, die noch teurer sind, für noch schlechtere Konditionen? Da könnten wir ein System günstiger von einem Nachbarland übernehmen?

Dr. Jens Baas (Manager der TK) sagt: "Wir haben eines der teuersten Gesundheitssysteme weltweit zu mittelmäßigen Leistungen.

Man sollte von einem Wirschaftlichkeit orientierten in ein Patienten orientiertes System zurückkehren.

Das System ist zum teil in der Struktur nicht mehr zeitgemäß.

Es werden uneffektiv Leistungen bezahlt ohne zusätzlichen Nutzen (Telematikinfrastruktur, Abrechnungsgesellschaften).

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Antwort von CDU

Ihre Kritik greift einen zentralen Punkt der aktuellen Debatte auf, wird aber in der Schlussfolgerung zu pauschal.

Die Vorschläge der Reformkommission zielen nicht darauf ab, Leistungen zu verschlechtern oder Kosten „einfach zu erhöhen“. Im Kern geht es darum, strukturelle Fehlentwicklungen zu korrigieren, die sich über Jahre aufgebaut haben. Dazu gehören insbesondere ineffiziente Versorgungsprozesse, Doppelstrukturen und Fehlanreize im System.

Die Einschätzung von Jens Baas, dass Deutschland im internationalen Vergleich hohe Ausgaben bei nur durchschnittlichen Ergebnissen hat, ist nicht neu und wird von vielen Studien gestützt. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass ein einfaches „Kopieren“ eines Systems aus dem Ausland die Lösung wäre. Gesundheitssysteme sind historisch gewachsen und stark an nationale Rahmenbedingungen gebunden, etwa bei Finanzierung, Versorgungsstruktur und dem Verhältnis zwischen ambulanter und stationärer Versorgung.

Richtig ist, dass wir stärker vom Patienten her denken müssen. Genau hier setzen viele der aktuellen Überlegungen an: bessere Steuerung der Versorgung, mehr Verbindlichkeit in der Patientenführung und der Abbau unnötiger Parallelstrukturen. Ziel ist es, vorhandene Mittel wirksamer einzusetzen, nicht Leistungen pauschal zu kürzen.

Ihre Kritik an einzelnen Ausgabenposten, etwa der Telematikinfrastruktur oder komplexen Abrechnungsstrukturen, wird in der politischen Diskussion durchaus geteilt. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass Digitalisierung grundsätzlich notwendig ist, um Versorgung effizienter zu organisieren. Das Problem liegt weniger im „Ob“, sondern im „Wie“ der Umsetzung. Hier hat es in der Vergangenheit Defizite gegeben, die korrigiert werden müssen.

Ein einzelner Hebel wird nicht ausreichen, um das System nachhaltig zu stabilisieren. Es braucht ein Bündel an Maßnahmen, das Effizienz, Versorgungsqualität und Finanzierbarkeit zusammenführt. Einzelmaßnahmen isoliert zu bewerten, greift daher zu kurz.

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