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Sara Nanni
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Frage von Peter M. •

Wenn Strom in Deutschland im Überschuss ist, warum wird öffentliches Schnellladen dann nicht kostenfrei?

Sehr geehrte Frau Nanni,

immer wenn zu viel Wind- oder Solarstrom im Netz ist, sinkt der Börsenpreis unter null. Das heißt: Der Abnehmer bekommt Geld dafür, dass er die Kilowattstunde nimmt. Statt diesen Überschuss in das teuerste, flexibelste Speichermedium zu schicken — die E-Auto-Batterie — wird er abgeregelt. Windräder werden ausgebremst, Solarparks gedrosselt. Die Rechnung dafür zahlen alle Stromkunden über die Netzentgelte.

Vorschlag: Wenn der Day-Ahead-Preis negativ ist, ruhen Steuern und preisunabhängige Aufschläge auf öffentliches Schnellladen automatisch — das Netzentgelt wird aus dem negativen Großhandelserlös über ein Verrechnungskonto gedeckt. Keine Subvention, kein Fördertopf, kein Pilotantrag. Eine zeitliche Erweiterung von §13k EnWG („Nutzen statt Abregeln 2.0", in Kraft seit 2024) — der Strom deckt seine eigenen Netzkosten in der Stunde, in der er sonst abgeregelt würde.

Mehr Infos unter https://ladefreun.de/petition.html

Mit freundlichen Grüßen

Peter M.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrter Herr M., 

 

vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie greifen ein wichtiges Problem auf. Die günstigen Strompreise von den Erneuerbaren Energien kommen zu wenig bei den Verbraucher*innen an. Wir wollen Erneuerbare nutzen statt Abregeln.

Deshalb setzen wir uns besonders für die Flexibilisierung des Energiesystems ein. Flexibilität ist aus unserer Sicht der Schlüssel, um die Kosten für alle zu senken. Je mehr Wind- und Solarstrom erzeugt wird, desto wichtiger wird es, Erzeugung, Verbrauch und Speicherung intelligent aufeinander abzustimmen. Batteriespeicher, Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge und digitale Steuerung können dazu beitragen, erneuerbaren Strom genau dann zu nutzen, wenn er in großer Menge verfügbar ist. So werden Netze entlastet, erneuerbare Energien besser integriert und die Vorteile der Energiewende für Verbraucher*innen nutzbar gemacht. Dafür braucht es faire Rahmenbedingungen und Anreize, die systemdienliches Verhalten belohnen und die Teilhabe möglichst aller Menschen ermöglichen.

 

Wichtig ist uns dabei ein ganzheitlicher Ansatz. Die Grundidee der Petition, Anreize zu schaffen, um Stromverbrauch stärker an das Angebot erneuerbarer Energien anzupassen, halten wir für richtig. Der konkrete Vorschlag überzeugt uns jedoch nicht, da er aus unserer Sicht mehrere zentrale Aspekte unberücksichtigt lässt.

 

Erstens finden heute bereits mehr als drei Viertel aller Ladevorgänge im privaten Bereich statt, meist über eine 11-kW-Wallbox zu günstigen Abopreis oder sogar mit der eigenen Solaranlage. Selbst wenn Stromsteuer und Netzentgelte zeitweise entfallen würden, blieben an vielen öffentlichen Ladepunkten weiterhin Roaming-Gebühren bestehen. Zudem liegen die Grundkosten des Schnellladens häufig höher. Der Preisvorteil des Ladens zu Hause würde daher in den meisten Fällen erhalten bleiben.

 

Zweitens handelt es sich bei rund einem Viertel der etwa 200.000 öffentlichen Ladepunkte um Schnellladeinfrastruktur. Diese sind strategisch v.a. an Autobahnen und Bundestraßen platziert, damit die Weiterfahrt schnellstmöglich erfolgen kann. An diesen Punkten sind Menschen sowieso unterwegs und müssen laden. Somit entsteht hier kein Mehrverbrauch durch den Verzicht auf Steuern und Abgaben.

 

Drittens könnte ein starker Preisanreiz in verbrauchsarmen Zeiten (etwa nachts, an Wochenenden oder Feiertagen) zu unnötigem Verkehr führen. Denn anders als normale Ladepunkte, wo Fahrzeuge über Nacht laden, sind Schnellladepunkte nicht dafür ausgelegt, um Fahrzeuge die ganze Nacht angeschlossen zu halten und bei Bedarf zu laden. Schnellladepunkte müssen aktiv angefahren und schnellstmöglich wieder geräumt werden.

 

Wir setzen uns daher dafür ein, die Zeiten besonders günstiger erneuerbarer Stromerzeugung für alle Haushalte nutzbar zu machen. Mit unserem Vorschlag eines Solarbonus würden alle Verbraucher*innen in Zeiten hoher Solarstromerzeugung von deutlich günstigeren Strompreisen profitieren. Konkret sollen alle Haushalte für rund 600 Stunden im Jahr vergünstigten Strom beziehen können. So würde der Nutzen der Energiewende unmittelbar auf der Stromrechnung sichtbar.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen,

Sara Nanni

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