Deutschland hat die vierthöchsten Verteidigungsausgaben weltweit, die Kampfkraft der Bundeswehr liegt hingegen im internationalen Vergleich allenfalls auf Platz 14. Wie erklärt sich diese Diskrepanz?
Quelle: STATISTA (2024).
Verhältnis der Verteidigungsausgaben zur Kampfkraft der Armeen anderer Industriestaaten im internationalen Vergleich lt. STATISTA:
Ausgaben Militärische Potenz
Großbritannien Platz 6 Platz 6
Frankreich Platz 9 Platz 7
Japan Platz 10 Platz 8
Südkorea Platz 11 Platz 5
Italien Platz 13 Platz 10
Die Ursachen für die von Ihnen angesprochene Diskrepanz liegen in strukturellen Fehlentwicklungen, falschen Entscheidungen und fehlender Prioritätensetzung: Ein ineffizientes Beschaffungswesen, geprägt durch die künstliche Trennung von Wehrverwaltung und Truppe und damit zu wenig am tatsächlichen Bedarf der Streitkräfte ausgerichtet. Komplexe Vergabe- und Haushaltsregeln, die notwendige Beschaffungen verzögern. Politisch motivierte Projekte wie das absehbare Milliardengrab FCAS. Auch zivile Vorschriften sowie Klima- und Nachhaltigkeitsvorgaben erschweren die Wiederherstellung materieller Einsatzbereitschaft. Die Führungskultur im Bundesministerium der Verteidigung ist zudem nicht konsequent am militärischen Kernauftrag ausgerichtet.
Notwendig sind daher grundlegende Reformen: die Integration der Wehrverwaltung in die Truppe durch eine Änderung oder Streichung von Artikel 87b des Grundgesetzes, eine echte Reform des Vergabe- und Beschaffungsrechts und die konsequente Nutzung von Ausnahmeregelungen für den Verteidigungsbereich. Zentral ist eine klare politische Priorisierung des gesamten Geschäftsbereichs des Bundesministeriums der Verteidigung auf den Kernauftrag: den militärischen Kampf. Darüber hinaus braucht Deutschland eine stärkere geistige Wehrhaftigkeit und eine umfassende Gesamtverteidigung, etwa durch den Ausbau des Zivilschutzes, eine starke Reserve oder die gesellschaftliche Aufwertung des Soldatenberufs.

