Sind durch das Altersvorsorgedepot die Vorteile für die Finanzwirtschaft größer als die Vorteile für die jungen Familien?
Sehr geehrte Frau Schwarzelühr-Sutter, am 8.02.2026 wurde das Altersvorsorgedepot im Bundestag beschlossen. Wie stellen Sie persönlich sicher, dass die Interessen von uns Verbrauchern schwerer wiegen als die der Finanzlobby? Haben Sie oder Ihre Fraktion im Zuge dieses Gesetzes Spenden oder Sponsoring-Gelder von Finanz- oder Versicherungsunternehmen erhalten?“
Die Entscheidung für Kinder scheitert in Deutschland selten an der fernen Rente der Kinder. Sie scheitert primär an fehlenden Kitaplätzen, mangelnder Vereinbarkeit von Familie und Beruf, hohen Mieten für familiengerechten Wohnraum und akutem Einkommensverlust während der Elternzeit.
Sehr geehrter Herr M.,
vielen Dank für Ihre Frage vom 09.06.2026 auf Abgeordnetenwatch.de.
Das Bundeskabinett hat die Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge am 17. Dezember 2025 verabschiedet. Am 27. März 2026 hat der Deutsche Bundestag die Reform inklusive einiger Änderungen beschlossen, die insbesondere von den Verbraucherzentralen gelobt wurden. Die Reform trat Ende Mai in Kraft, die Umsetzung erfolgt erst zum 1. Januar 2027 – ab dann sollen die neuen Altersvorsorgeprodukte für Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung stehen.
Zu Ihrer eigentlichen Frage, ob die Vorteile für die Finanzwirtschaft größer sind als die Vorteile für junge Familien:
Das Altersvorsorgedepot verfolgt das Ziel, Bürgerinnen und Bürgern zusätzliche Möglichkeiten für den langfristigen Vermögensaufbau und die private Altersvorsorge zu eröffnen. Davon können insbesondere junge Menschen profitieren, weil sie über einen langen Zeitraum Kapital ansparen und von den Ertragschancen der Kapitalmärkte profitieren können.
Gleichzeitig ist richtig, dass Anbieter entsprechender Finanzprodukte von einer stärkeren Nachfrage profitieren können. Das allein macht ein Gesetz jedoch nicht zu einem Vorteil für die Finanzwirtschaft. Entscheidend ist, ob der Nutzen für die Sparerinnen und Sparer im Mittelpunkt steht und ob ausreichende Transparenz-, Kosten- und Verbraucherschutzregelungen bestehen.
Unabhängig davon bin ich überzeugt, dass die Entscheidung für Kinder in Deutschland in aller Regel nicht an der späteren Altersvorsorge scheitert. Die größeren Herausforderungen liegen bei der Verfügbarkeit von Kitaplätzen, bezahlbarem Wohnraum, der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie den finanziellen Belastungen während der Familienphase.
Deshalb darf private Altersvorsorge Familienpolitik nicht ersetzen. Beides ist notwendig: eine verlässliche Alterssicherung für die Zukunft und gute Rahmenbedingungen für Familien im Hier und Heute.
Zu Ihrer Frage nach Spenden oder finanziellen Zuwendungen möchte ich klarstellen:
Mitglieder des Deutschen Bundestages dürfen nach § 48 des Abgeordnetengesetzes grundsätzlich keine Geldspenden annehmen. Eine persönliche finanzielle Zuwendung im Zusammenhang mit meiner parlamentarischen Tätigkeit wäre rechtlich unzulässig. Ich halte mich an Recht und Gesetz.
Meine Entscheidung über Gesetzesvorhaben orientiert sich daher weder an finanziellen Interessen einzelner Unternehmen noch an den Interessen bestimmter Branchen, sondern an meiner Überzeugung sowie an den Ergebnissen des parlamentarischen Beratungsverfahrens.
Mit freundlichen Grüßen,
Rita Schwarzelühr-Sutter

