Warum sollte Deutschland in Technologien investieren, die teuer, langsam umzusetzen und gesellschaftlich stark umstritten sind, während günstigere und schneller verfügbare Alternativen existieren?
Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Sie betonen zu Recht, dass Entscheidungen dieser Größenordnung nicht über die Köpfe der Menschen in Eberswalde hinweg getroffen werden sollten. Gleichzeitig zeigt jedoch die Erfahrung mit deratigen Infrastrukturprojekten, dass die lokale Zustimmung bei dieser Art Anlage äußerst schwer zu erreichen ist. Hinzu kommt, dass Neubauten von Kernkraftwerken regelmäßig mit sehr hohen Investitionskosten und langen Bauzeiten verbunden sind. Gleiches gilt für den Rückbau: schauen Sie mal ins nur wenige Kilometer entfernte Rheinsberg.
Schacht Konrad ist nur für minderradioaktive Abfälle vorgesehen, Deutschland hat noch kein Endlager für hochradioaktive Abfälle, auch kein geeignetes Zwischenlager. Transmutation ist, wie z.B. auch ein Fusionsreaktor, keine Lösung, da nicht verfügbar. Internationale Studien belegen, Wind und Solar gehören heute zu den günstigsten Stromquellen und sie brauchen nichtmal Brennstoff (z.B. aus der Lausitz).
Sehr geehrter Herr R.,
ich halte die Investitionen in Kernenergie für unbedingt geboten, weil sie verlässliche Energie liefern. Sofern sie bei den "günstigeren" Alternativen auf die Erneuerbaren abstellen, ist dem entgegenzuhalten, dass die "Energiewende" mit erheblichen Kosten verbunden ist. Je nach Studie und Urheber wird diesbezüglich eine andere Summe errechnet, die jedoch stets immens bleibt: „Je nach Betrachtungszeitraum werden die Kosten auf Beträge zwischen 500 Milliarden Euro pro Jahr oder 13,3 Billionen Euro insgesamt bis zum Jahr 2045 beziffert“ (vgl. https://www.bundestag.de/resource/blob/1019134/59b54bba98e93b9fecf43013668d86b3/WD-5-135-24-pdf.pdf). Der Nachteil der fluktuierenden Energieerzeugung und der dafür notwendigen Systemanpassung bleibt das Manko der erneuerbaren Energien. Demgegenüber ist die Kernkraft voll grundlastfähig, weshalb sie im Kontext des Ausbaus von Rechenzentren wieder in den Mittelpunkt der Energienachfrage rückt.
Auch die aktuell von den Lobbygruppen der erneuerbaren Energien stark beworbenen Batteriespeicher können dieses Manko nicht beheben. Zwar wurden in diesem Bereich relevante Fortschritte erzielt, sie sind aber weiterhin nicht dazu in der Lage, das gesamte System abzusichern. Selbst die den erneuerbaren Energien positiv gegenüberstehende Fraunhofer-Studie „Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem” (https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/wege-zu-einem-klimaneutralen-energiesystem.html) sieht in ihnen hauptsächlich „eine mögliche Flexibilitätsoption [...] als Kurzzeitspeicher, in dem sie primär PV-Strom aus der ertragsreichen Mittagszeit einspeichern und zu den Tagesrandzeiten mit hohen Strombedarfen zur Verfügung stellen”.
Alles in allem bin ich deshalb davon überzeugt, dass die Kernenergie wieder zu einem relevanten Baustein unseres Energiesystems werden sollte.
Zu guter Letzt noch zur Rohstofffrage: Es mag sein, dass die erneuerbaren Energien keinen Brennstoff aus der Lausitz benötigen, aber ohne Rohstoffe kommen auch sie nicht aus, insbesondere die Batteriespeicher. Und auch diese Rohstoffe müssen gefördert (mit entsprechenden Umweltfolgen) und im Zweifel aus dem Ausland geliefert werden.
Mit freundlichen Grüßen,
René Springer, MdB

