Wie stehen Sie zur Kürzung der Vergütung der ambulanten Psychotherapie um 4,5% zum 1.4.2026?
Am 12.03. wurde auf Betreiben des GKV-SV beschlossen das Honorar für PsychotherapeutInnen um 4,5% zu kürzen ab Quartal 2/2026. Die Versorgung der psychisch erkrankten Menschen droht sich dadurch zuverschlechtern, da Praxen aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen sein könnten, sich aus der Versorgung von gesetzlich Versicherten zurück zu ziehen. Ambulante Psychotherapeuten unterstützen maßgeblich die gesamtgesellschaftliche Resilienz und arbeiten damit (Folge-)Kosten senkend. Studien zeigen, dass jeder in Psychotherapie investierte Euro erhebliche Folgekosten einspart. Eine Analyse der Techniker Krankenkasse beziffert die Kosten-Nutzen-Relation auf etwa 3,26 : 1 – jeder investierte Euro führt also im Durchschnitt zu Einsparungen von mehr als drei Euro durch geringere Krankengeldzahlungen, weniger stationäre Behandlungen und reduzierte Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. Wie stehen Sie dazu und unterstützen Sie uns PsychotherapeutInnen damit wir eine angemessene Vergütung bekommen?
Vielen Dank für Ihre wichtige Frage.
Die Absenkung der psychotherapeutischen Leistungen im Hinblick auf die schon derzeit bestehenden Versorgungslücken ist höchst problematisch.
Durch vielfältige gesellschaftliche Krisen erleben wir derzeit einen Anstieg psychischer Belastungen, besonders unter Kindern und Jugendlichen. Das Hilfesystem wird der steigenden Nachfrage nach Unterstützungs- und Behandlungsbedarfen zunehmend nicht mehr gerecht und stößt schon heute an seine Kapazitätsgrenzen. Insgesamt sind die Zugänge zum Hilfesystem mit zu vielen Hürden belastet. Es ist nicht hinzunehmen, dass viele Menschen in einer psychischen Krise monatelang auf passende Hilfe warten müssen und die Suizidzahlen weiter steigen. Alle Menschen mit Hilfebedarf sollen im Bedarfsfall niedrigschwellige Zugänge zu passgenauen psychosozialen und therapeutischen Angeboten haben. Eine neue Bedarfsplanung ist überfällig. Unser Ziel sind mehr Hilfen und weniger Stigma.
Wir brauchen nachhaltige Reformen und strukturelle Verbesserungen. Pauschale Kürzungen werden die bestehende Fehlsteuerung und die finanzielle Schieflage innerhalb des Gesundheitssystems nicht lösen können.
Für mich ist klar: Psychische Gesundheit darf nicht vom Versicherungsstatus abhängen.
Wir Grüne werden uns auch weiterhin für strukturelle Verbesserungen wie eine angemessene Finanzierung der Psychotherapeut*innen in Weiterbildung und eine insgesamte Verbesserung der Versorgung einsetzen.

