Warum sollen Menschen, die über 50 Jahre arbeiten, noch länger arbeiten, obwohl z.B. Österreich deutlich höhere Renten zahlt? Welche Reformen unterstützen Sie konkret?
Guten Tag, ich arbeite seit meinem 15. Lebensjahr. Bis zum regulären Renteneintritt werde ich rund 52 Arbeitsjahre geleistet haben. Schon heute, mit knapp 50 Jahren, stoße ich durch den stetig steigenden Arbeitsdruck an meine Grenzen. Wie sollen Menschen das bis 67 oder noch länger schaffen?
Besonders unverständlich ist für mich der Vergleich mit Österreich, meiner Heimat. Nach meinen Berechnungen wäre meine spätere Gesamtaltersrente aus Deutschland und Österreich um rund 1.600 Euro pro Monat höher, wenn ich lediglich die letzten zehn Jahre meines Berufslebens in Österreich arbeiten würde. Wie kann ein Unterschied dieser Größenordnung zwischen zwei Nachbarländern entstehen?
Gleichzeitig wird in Deutschland über längere Lebensarbeitszeiten diskutiert, obwohl für viele andere staatliche Aufgaben Milliardenbeträge bereitgestellt werden. Ich erwarte, dass Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet und Beiträge gezahlt haben, Priorität erhalten. Welche konkreten Reformen setzen Sie um?
Sehr geehrter Herr N.,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die wie Sie über Jahrzehnte hinweg arbeiten, Beiträge leisten und damit unser Sozialversicherungssystem tragen.
Die von Ihnen angesprochenen Fragen zur Rentenpolitik und zur Ausgestaltung der Sozialversicherung fallen in die Zuständigkeit des Bundes. Als Abgeordneter des Landtags von Nordrhein-Westfalen kann ich deshalb keine unmittelbaren Entscheidungen in diesem Bereich treffen.
Unabhängig davon ist die Herausforderung offensichtlich: Die Menschen werden erfreulicherweise immer älter, gleichzeitig kommen auf immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentenempfänger. Dadurch steigen die Kosten der sozialen Sicherungssysteme kontinuierlich an. Vor diesem Hintergrund wird auf Bundesebene über verschiedene Reformansätze diskutiert.
Die zuletzt veröffentlichten Vorschläge zu einer möglichen Verlängerung der Lebensarbeitszeit stammen dabei von einer unabhängigen Expertenkommission. Sie sind keine beschlossene Politik, sondern werden zunächst Gegenstand der parlamentarischen Beratungen auf Bundesebene sein.
Auch der Vergleich mit Österreich wird häufig angeführt. Die dortigen Regelungen unterscheiden sich jedoch in Finanzierung, Beitragssystem und Leistungsumfang, sodass ein direkter Vergleich nur eingeschränkt möglich ist.
Mir ist wichtig, dass bei allen Reformüberlegungen die berechtigten Interessen der Menschen im Mittelpunkt stehen, die jahrzehntelang gearbeitet und Beiträge gezahlt haben. Gleichzeitig müssen die sozialen Sicherungssysteme auch für künftige Generationen tragfähig bleiben.
Mit freundlichen Grüßen
Raphael Tigges

