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Ralf Stegner
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Frage von Uwe T. •

Warum behaupten Sie am 19.05. bei Maischberger, wir hätten (Zitat) "Einen ordentlichen Arbeitskräftemangel"

Sehr geehrter Herr Stegner,

ich persönlich freue mich immer sehr, einen (aus meiner Sicht) "echten" Sozialdemokraten wie Sie in einer Talkshow zu sehen und keinen Seeheimer. Ihr Statement, wir hätten einen ordentlichen Arbeitskräftemangel schadet aber eher der Position von Gewerkschaften und Arbeitnehmern. Mir ist es komplett unverständlich, warum sie dieses Märchen mittragen. Wir haben in Deutschland im Mai 2026 fast 4 Millionen Arbeitslose gegen etwa 800.000 sofort zu besetzenden offenen Stellen. Ich verstehe die gesamte Debatte von "Wir müssen mehr arbeiten und länger arbeiten" überhaupt nicht, so lange wir keine Vollbeschäftigung haben. Warum weißt die SPD nicht viel stärker darauf hin, das es die Stellen einfach nicht gibt, die die Menschen in den Sozialsystemen annehmen sollen.

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Antwort von SPD

Sehr geehrter Herr T.,

vielen Dank für Ihre Frage. Ich kann Ihre Anmerkung nachvollziehen, jedoch ist es nicht so einfach, wie es scheint. Natürlich haben wir nicht in jeder Branche einen Fachkräftemangel, jedoch in bestimmten und das wird perspektivisch nicht geringer. Im Zuge des demografischen Wandels in Deutschland sehen wir uns damit konfrontiert, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der sogenannten Babyboomer in den kommenden 15 Jahren in die Rente gehen werden. Da wir jedoch wesentlich weniger junge Leute haben, die nachrücken und die Stellen übernehmen, benötigen wir zukünftig weitere Fachkräfte, um bestimmte Bereiche am Laufen zu halten. Diese Statistik der Bundesagentur für Arbeit ermöglichen recht gute Einblicke darüber, in welchen Bereichen Mängel bestehen: Bundesagentur für Arbeit - Fachkräftebedarf

 Zu Ihrem Grundgedanken Arbeitslose gegen den Fachkräftemangel zu mobilisieren. In der Ampel Koalition hatten wir einen ähnlichen Ansatz, wir wollten durch Förderungsmaßnahmen und Qualifikationen neue und bessere Arbeitsanreize schaffen. Wir wollten gezielt fördern und entstigmatisieren, sodass mehr Personen wieder in die Arbeit kommen und das langfristig und sozialverträglich. Das hatte auch durchaus positive Effekte, wurde nun jedoch durch die Reformierung zur Grundsicherung aufgrund einer anderen Priorisierung dieses Instrumentariums wieder etwas abgeschwächt.

Die von Ihnen angesprochen Vollbeschäftigung durch den Einsatz von Grundsicherungsempfängern halte ich jedoch für eher weniger realistisch. Das liegt zum einen daran, dass unter den Erwerbslosen und SGB-II-Leistungsberechtigten sehr unterschiedliche Personengruppen sind. Hierunter fallen beispielsweise auch Personen, die zu wenig verdienen und daher aufstocken müssen, welche ihre Familienangehörige pflegen, Alleinerziehende oder Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Zudem ist es auch eine Frage der Stellenangebote. Nicht alle Grundsicherungsempfangenden haben die entsprechenden Qualifikationen für die Stellen, in denen der Fachkräftemangel droht. Diese Ausarbeitung der Bundeszentrale für politische Bildung (APuZ) bereitet das, wie ich finde, ganz gut auf:

Fach- und Arbeitskräftemangel ohne Ende? Was dagegen hilft - und was nicht

Mit freundlichen Grüßen

Ralf Stegner

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