Warum spielt integrative Medizin bei den Grünen eine so untergeordnete Rolle?
Sehr ggehrte Frau Olschowski,
nicht nur viele Patienten, sondern auch immer mehr Ärzte befürworten eine intergrative Medizin, die Naturheilkunde mit der Schulmedizin verbindet. Zum einen ist in vielen Bereichen die Wirksamkeit alternativer Heilmethoden nachgewiesen, zum anderen sind viele pflanzlichen Arzneimittel sehr kostengünstig.
Sehr geehrte Frau R.,
wir GRÜNE sehen die Integrative Medizin als eine wichtige Säule einer bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung an. Baden-Württemberg hat bereits heute eine bundesweit einzigartige Infrastruktur für Integrative Medizin aufgebaut - mit dem Kompetenznetz Integrative Medizin Baden-Württemberg, einem Lehrstuhl an der Universität Tübingen, der Initiative KIG BaWü, dem Akademischen Zentrum für Komplementäre & Integrative Medizin sowie der Einbindung in den Gesundheitsstandort Baden-Württemberg.
Hierfür haben wir uns in den letzten Jahren eingesetzt und Landesgelder zur Verfügung gestellt. Wir haben damit Forschung, Wissenstransfer und innovative Versorgungsstrukturen gefördert. Wir stärken für die Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg komplementäre Versorgungsangebote – für mehr Gesundheit, mehr Lebensqualität und einen bewussteren Umgang mit Erkrankungen.
Dabei ist mir persönlich wichtig, dass wir gerade bei der Prävention deutlich besser werden. Der präventive Charakter in der Gesundheitspolitik muss neben dem kurativen Ansatz deutlich gestärkt werden. Gute Gesundheitsprävention verringert Leid, steigert Lebensqualität, stärkt die Gesundheit und entlastet das Gesundheitssystem.
Einen besonderen Fokus legt gerade die Integrative Medizin auf Prävention und Selbstfürsorge der Patientinnen und Patienten. Wir setzen uns deshalb für einen barrierefreien Zugang zu einer qualitätsgesicherten integrativen Medizin für alle ein. Hierbei gilt es auch zu prüfen, wie Weiterbildungsmöglichkeiten und Curricula angepasst werden können, damit Wissen auf dem neuesten Stand der Integrativen Medizin in der Breite der Versorgungslandschaft verankert werden kann.
Forschung ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Evidenzbasierte wissenschaftliche Forschung ist gerade mir als Wissenschaftsministerin enorm wichtig für die Versorgungsqualität, aber auch für die Akzeptanz der Angebote. Baden-Württemberg nimmt hier bereits eine Vorreiterrolle ein, an die in den kommenden Jahren angeknüpft werden sollte.
2022 wurde Prof. Dr. Holger Cramer für die Erforschung komplementärmedizinischer Verfahren am Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen berufen. Es handelt sich dabei um die erste rein wissenschaftliche Professur im Bereich der Komplementärmedizin an einer deutschen staatlichen Universität. Gemeinsam mit seinem Team forscht Prof. Cramer zur Wirksamkeit und Sicherheit komplementärmedizinischer Verfahren.
Des Weiteren haben wir im Rahmen der Landesmöglichkeiten beispielsweise das Projekt „Forschungs- und Praxisinitiative: Komplementäre und Integrative Gesundheitsversorgung für Baden-Württemberg (KIG BaWü)“ gefördert. Das Projekt verfolgte das Ziel, in konkreten Forschungsprojekten exemplarisch die funktionellen Effekte und Wirkungsmechanismen von pflanzlichen Wirkstoffen, Nahrungsergänzungsmitteln, veganer Ernährung, Akupunktur und Entspannungsverfahren zu erforschen.
Gefördert wurde darüber hinaus das Kompetenznetz Integrative Medizin in einem Projekt des Universitätsklinikums Heidelberg mit Mitteln aus dem Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg. Hier wurden auf den Gebieten sekundäre Pflanzenstoffe oder Ernährung wichtige Erkenntnisse gewonnen und qualitätsgesicherte sowie praxisnahe Empfehlungen für eine integrativmedizinische Behandlung entwickelt.
Auch wollen wir Gesundheitsprävention und Gesundheitsförderung in der kommenden Legislatur stärker in den Mittelpunkt stellen. Beispielsweise erarbeitet Baden-Württemberg derzeit als erstes Bundesland eine sogenannte Health-in-all-Policies-Strategie, die Gesundheit in allen Lebensbereichen mitdenken soll. Dabei gilt es natürlich auch zu prüfen, welchen wertvollen Beitrag die Integrative Medizin leisten kann.
Mit freundlichen Grüßen
Petra Olschowski MdL

