Tausende Patientinnen warten monatelang auf Therapie. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass das Ministerium die Honorarkürzung von 4,5 Prozent für Psychotherapeutinnen beanstandet?
Ich befinde mich nach 5 Jahren Psychologiestudium seit 5 Jahren in tiefenpsychologischer Weiterbildung, die ich mit 30.000 € vollständig selbst finanziere. Ein halber Kassensitz kostet zusätzlich mindestens 45.000 €. Im Gegensatz dazu wird die Weiterbildung ärztlicher Kolleginnen vom System finanziert – obwohl wir dieselbe klinische Arbeit leisten.
Auch als Psychotherapeutin in Ausbildung übernehme ich dieselben therapeutischen Aufgaben wie approbierte Kolleginnen, werde aber deutlich schlechter vergütet. Die Honorarkürzung von 4,5 Prozent trifft uns daher besonders hart.
Viele Kolleginnen – und ich schließe mich nicht aus – werden sich unter diesen Bedingungen gegen einen Kassensitz entscheiden. Das bedeutet konkret: noch weniger Therapieplätze für Menschen, die bereits jetzt monatelang warten. Besonders betroffen sind diejenigen, die sich keine Privattherapie leisten können.
Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihre Nachricht.
Eine gute psychotherapeutische Versorgung ist für mich ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Gesundheitssystems. Psychische Erkrankungen müssen ebenso ernst genommen werden wie körperliche Erkrankungen. Deshalb darf es nicht zu einer Verschlechterung der Versorgung oder längeren Wartezeiten kommen.
Gleichzeitig stehen wir vor der Herausforderung, die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung dauerhaft zu stabilisieren. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz verfolgt das Ziel, den weiteren Anstieg der Beiträge zu begrenzen und die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung langfristig zu sichern.
Die von Ihnen angesprochenen Regelungen zur ambulanten Psychotherapie werden derzeit intensiv diskutiert. Die Kritik von Fachverbänden, Patientinnen und Patienten sowie Ländern nehmen wir sehr ernst.
Für mich ist entscheidend, dass am Ende zwei Ziele erreicht werden: eine stabile Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung und eine verlässliche psychotherapeutische Versorgung.
Deshalb setze ich mich dafür ein, dass im laufenden Gesetzgebungsverfahren tragfähige Lösungen gefunden werden, die den Zugang zu psychotherapeutischen Leistungen sichern und gleichzeitig die finanzielle Stabilität der GKV stärken. Beides gehört für mich zusammen.
Vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihr Engagement.
Mit freundlichen Grüßen
Parsa Marvi

