Wie stehen Sie persönlich zur automatischen Kopplung des gesetzlichen Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung?
Rentenkommission
Hallo B.,
vielen Dank für Ihre Frage.
Ich lehne eine automatische Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung ab. Eine steigende durchschnittliche Lebenserwartung bedeutet nicht, dass alle Menschen gleichermaßen länger gesund arbeiten können. Wer körperlich schwere Arbeit leistet, im Schichtdienst arbeitet oder schon sehr früh ins Berufsleben eingestiegen ist, hat ganz andere Voraussetzungen als jemand, der bis ins hohe Alter unter guten Bedingungen arbeiten kann.
Eine solche Automatik würde deshalb soziale Unterschiede ausblenden und für viele Menschen faktisch auf eine Rentenkürzung hinauslaufen, weil sie das höhere Renteneintrittsalter nicht erreichen und früher mit Abschlägen in Rente gehen müssten.
Ich unterstütze stattdessen die Forderung der Linken nach einer Regelaltersgrenze von 65 Jahren. Wer 40 Jahre gearbeitet und Beiträge gezahlt hat, soll zudem die Möglichkeit haben, ab 60 Jahren abschlagsfrei in Rente zu gehen. Entscheidend für die Stabilität der gesetzlichen Rente ist aus meiner Sicht nicht, die Menschen immer länger arbeiten zu lassen, sondern die Finanzierungsbasis zu verbreitern – insbesondere durch eine solidarische Erwerbstätigenversicherung, in die auch Beamtinnen, Selbstständige, Freiberuflerinnen, Manager*innen und Abgeordnete einzahlen.

