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Olaf Duge
Bündnis 90/Die Grünen
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Frage an Olaf Duge von Marianne F. bezüglich Umwelt

Warum wurden am Saseler Markt jahrzehnte alte, große Bäume gefällt, wo sich doch die "Grünen" so sehr für den Naturschutz einsetzen und das Abholzen in anderen Regionen (auch in Deutschland) anprangern ?

Frage von Marianne F. am
Thema
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Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 2 Wochen 6 Tage

Sehr geehrte Frau Fischer,

Der Umbau des Saseler Marktes wurde mit der überdimensionalen
Erweiterung des Alster-Einkaufszentrums (AEZ) am Poppenbüttler Bahnhof
und der Verlagerung der Bücherei vom Saseler Markt zum AEZ (die wir
leider nicht verhindern konnten) zunehmend zum Thema, um Sasel auch
gegenüber dem AEZ attraktiv zu erhalten und vor Leerständen zu bewahren
(siehe Bücherhalle). Das AEZ konnte dabei als großes Einkaufszentrum
v.a. durch die unmäßig vielen Parkplätze Kaufkraft aus den umliegenden
örtlichen Zentren abziehen. Wir GRÜNE hatten dies nicht als
zentrenverträglich angesehen, wie uns die von der ECE (Eigentümer des
AEZ) mit dem Gutachten von Lademann weiß gemacht werden sollte. Als
GRÜNE Fraktion in der Bezirksversammlung Wandsbek habe ich als
Fraktionsvorsitzender mit unserer Fraktion ein weiteres Gegengutachten
bei dem Institut GESA in Auftrag gegeben, dass aufzeigte, dass die im
Lademann-Gutachten vorgenommen Kalibrierungen nicht sachgemäß waren.
Leider konnten wir uns politisch aber als Minderheit in der Opposition
zur CDU nicht durchsetzen.

Die Folge war, dass nun die umliegenden Ortszentren unter Druck
gerieten, so auch Sasel. 2008 starteten die ersten Überlegungen an denen
sich sowohl seitens ansässigen Geschäfte die IWG (Interessen- und Werbe-
Gemeinschaft Saseler Gewerbetreibender e.V.) als auch ansässige Vereine
wie z.B. der TSV Sasel, das Sasel-Haus, die Vicelin-Kirchengemeinde und
örtliche Bürgerinitiativen (Initiative für ein Lebenswertes Sasel – Ini
FelS) sowie einzelne BürgerInnen beteiligten. Es gab zahlreiche
Diskussionen in verschiedenen Formaten mit den damals in der
Bezirksversammlung Wandsbek vertretenen Parteien. Der Kernstreitpunkt
war von Anfang an die Abwägung des Bedürfnisses nach Parkplätzen
einerseits v.a. seitens der IWG (auch in Konkurrenz zum AEZ) und dem
Wunsch nach Reduzierung des Autoverkehrs andererseits. Hierbei haben
sich die GRÜNEN stets für Letzteres eingesetzt und andere
Mobilitätsalternativen präferiert (v.a. das Rad).

Im Jahr 2012 wurde dann eine Überplanung des Saseler Marktes als
„Entwicklungsperspektive Promenade und Marktplatz“ in Auftrag gegeben,
die im sogenannten „Saseler Konsens“ zwei Jahre später festgeschrieben
wurde. Ich erinnere noch mehrere öffentliche Veranstaltungen mit
Planungsbüros, die ihre Vorschläge vorstellten und versuchte haben die
verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bekommen. Letztlich wurde
ein Planungsbüro unter Beteiligung der BürgerInnen von der
Bezirksverwaltung ausgewählt, dass dann die "Feinarbeit" fortsetzte,
wiederum auch unter Beteiligung der Öffentlichkeit.

Im Februar 2020 wurde in einer öffentlichen Informationsveranstaltung
die planerische Umsetzung dieses „Saseler Konsens“ vorgestellt und
Bürgermeinungen und Änderungswünsche dazu eingeholt (siehe auch hier:
https://www.hamburg.de/wandsbek/planen-bauen-wohnen/13676470/neugestaltung-saseler-markt/
).
Zu diesen Plänen gab es über die Jahre ausführliche Berichterstattung
und Kommentierungen in der regionalen Presse sowie im Netz.

Die Neugestaltung des Marktes hat sich im wesentlichen eine Erhöhung der
Aufenthaltsqualität auf dem Marktplatz insb. an den wochenmarktfreien
Tagen zum Ziel gesetzt. Diese wird durch eine Reduzierung der Parkplätze
von aktuell ca. 110 auf geplant 88 sowie der Herstellung einer gut vier
Meter breiten neuen Baumallee zwischen dem Marktplatz und der Straße
Saseler Markt vor den Geschäften erreicht. Zur Herstellung dieser
Promenade wurden von den vorhandenen 57 im November 2020 35 gefällt, die
größtenteils sehr alt und teilweise krank waren. In der Planung ist die
Nachpflanzung von 39 Bäumen vorgesehen, die zum Zeitpunkt ihrer
Pflanzung ca. 4-5m hoch und in ihrem ausgewachsenen Zustand ca. 20m hoch
sein werden.

Das Fällen von Bäumen ist für uns Grüne ein schmerzhafter Moment, und
natürlich wird es einige Jahre dauern, bis die Neuanpflanzungen optisch
an das heran reichen werden, was bisher da war. Dahinter steht aber der
oben beschriebene gemeinsam über viele Jahre entwickelte Kompromiss
vieler Beteiligter mit vielen, teilweise gegensätzlichen Wünschen, der
in einer Planung zur Neugestaltung mündete, die diesen Schritt notwendig
machte. Aus meiner Sicht ist das gelebte Demokratie und
Kompromissfindung, die ich respektiere. Schmerzhaft ist, dass letztlich
die Erweiterung des AEZ negative Auswirkungen auf die umliegenden
gewachsenen Ortszentren gehabt hat, die aufgefangen werden mussten und
letztlich auch zu Baumfällungen geführt haben.

Mit freundlichen Grüßen

Olaf Duge

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