Wie stellen Sie sich die vollständige Dekarbonisierung des gesamten Primärenergiebedarfs konkret vor, also technisch, wirtschaftlich und zeitlich?
2024 lag der Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch in Deutschland bei nur 20 %. Trotz hoher Ökostromanteile wird der Großteil des Energiebedarfs weiterhin durch fossile Energieträger gedeckt, vor allem in Wärme, Verkehr und Industrie. Genau dort stellt sich die Frage nach einem realistischen Weg zur vollständigen Dekarbonisierung.
Sehr geehrter Herr K.,
vielen Dank für ihre Frage und bitte entschuldigen Sie meine verspätete Rückmeldung. Das Ziel der Klimaneutralität ist mit konsequentem Umstieg auf die Erneuerbaren erreichbar, wobei absehbar ein wachsender Anteil der benötigten Energie sektorübergreifend nutzbarer Erneuerbarer Strom sein wird. In diesem Sinne gilt es neben dem weiterhin zu beschleunigenden Ausbau der Erneuerbaren auch die Elektrifizierung, eine entsprechende Transformation der Netze sowie die Einbindung von Speichern voran zu bringen. Hierzu zählen auch der Hochlauf in der Wärmepumpennutzung, Wasserstoffnutzung sowie etwa der Umstieg auf Elektromobilität.
Für Bereiche der Industrie, die sich technisch nicht elektrifizieren lassen, ist grüner Wasserstoff eine klimaneutrale Alternative zu den derzeitig genutzten fossilen Kraftstoffen.
Durch den Wechsel auf die Erneuerbaren wird Strom dauerhaft günstiger und löst die Importabhängigkeit von fossilen Energieträgern auf, welche jährlich hunderte Milliarden Euro kostet. Der zeitliche Korridor sieht vor bis 2030 einen Anteil von mindestens 80% Erneuerbaren am Bruttostromverbrauch zu erlangen, was gut erreichbar ist, wenn weiterhin konsequent Hemmnisse abgebaut werden und keine neuen Hindernisse geschaffen werden.
Zusätzlich muss in den nächsten Jahren verstärkt der Fokus auf „Nutzen statt abregeln“ gelegt werden, um die installierte Leistung auch gut nutzen zu können und die mit einem wachsenden Anteil fluktuierender Erneuerbarer Erzeugungskapazitäten aufkommenden Flexibilitäts- und Speicherbedarfe aufzubauen.
Für weitergehende Fragen wenden Sie sich gern an nina.scheer@bundestag.de.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Nina Scheer

