Sehr geehrte Frau Huml, stimmen Sie der automatischen Kopplung des rentenalters an die Lebenserwartung zu? Ja oder nein?
Lieber Herr P.!
Vielen Dank für Ihre Frage. Sie sprechen ein Thema an, das viele Menschen bewegt – und das sehr sorgfältig behandelt werden muss. Denn bei der Rente geht es um Lebensleistung, Sicherheit im Alter und zugleich um die Frage, wie wir unser Rentensystem auch für die junge Generation verlässlich und bezahlbar halten.
Grundsätzlich halte ich für richtig, die steigende Lebenserwartung bei der Weiterentwicklung des Rentensystems zu berücksichtigen – aber maßvoll, langfristig planbar und sozial ausgewogen.
Wir dürfen die demografische Entwicklung nicht ausblenden. Wenn Menschen im Durchschnitt länger leben und länger Rente beziehen, stellt das unser umlagefinanziertes Rentensystem vor große Herausforderungen. Es wäre nicht ehrlich, so zu tun, als könne alles bleiben, wie es ist, ohne dass Beiträge, Bundeszuschüsse oder die Belastungen für die junge Generation immer weiter steigen.
Genauso klar ist für mich: Eine solche Anpassung darf nicht an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbeigehen. Eine statistisch steigende Lebenserwartung sagt noch nichts darüber aus, ob jeder einzelne Mensch tatsächlich länger gesund arbeiten kann. Wer körperlich schwer gearbeitet hat, gesundheitlich nicht mehr kann oder eine besonders belastende Erwerbsbiografie hat, braucht verlässliche Schutz-, Übergangs- und Härtefallregelungen.
Hier eine ausgewogene Balance zu finden, obliegt nun den Abgeordneten des Bundestags. Eine erste Einschätzung der CSU-Landesgruppe zu den Vorschlägen der Rentenkommission finden Sie online unter:
Ich selbst halte eine maßvolle, überprüfbare und langfristige Orientierung an der Lebenserwartung im Rahmen eines Gesamtpakets für vertretbar und notwendig – solange sie mit sozialem Schutz, Anerkennung von Lebensleistung und einer Stärkung der Altersvorsorge verbunden wird.
Entscheidend ist: Die gesetzliche Rente muss verlässlich bleiben – für die heutigen Rentnerinnen und Rentner, für diejenigen, die viele Jahre gearbeitet und Beiträge gezahlt haben, und für die jungen Menschen, die dieses System künftig tragen sollen.
Herzlich
Melanie Huml
Staatsministerin a.D. Melanie Huml, MdL
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