Wieso stellen Sie sich bei inklusiver Bildung gegen schulpädagogische Fakten, ignorieren die erfolgreichen Inklusiven Systeme in europäischen Ländern und verweigern die UN-Behindertenrechtskonvention?
Sehr geehrte Frau Huml,
Ihre Ausführungen in der vorangegangen Frage zum mehrgliedrigen Schulsystem sind besorgniserregend, weil nicht mit schulpädagogischen Fakten, sondern nur mit Meinung argumentiert wird. Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) verpflichtet Deutschland, ein inklusives Bildungssystem zu schaffen. Das Ziel: Schüler mit und ohne Behinderungen sollen zusammen lernen und aufwachsen. Während Kinder und Jugendliche mit Behinderungen beispielsweise in Norwegen und Italien bereits seit vielen Jahren erfolgreich im inklusiven allgemeinen Schulsystem unterrichtet werden, zeigen sich in Deutschland fast 14 Jahre nach Inkrafttreten der UN-BRK große Umsetzungsdefizite. Bayern ist dabei trauriges Schlusslicht. Ein pädagogischer Nutzen von Förderschulen ist empirisch längst widerlegt.
lesen Sie gerne den Bericht des Deutschen Instituts für Menschenrechte (Susann Krowosch, 2022) und die Grundlagenliteratur zu den Themen Inklusion und Heterogenität von Heinz Klippert (2016)
Sehr geehrter Herr K.,
vielen Dank für Ihre erneute Nachricht und die Hinweise auf Literatur und den Bericht des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Ich nehme Ihre Anmerkungen ernst.
Die UN-Behindertenrechtskonvention ist für uns in Bayern wie ganz Deutschland verbindlich und handlungsleitend. Ziel ist, dass Schülerinnen und Schüler – mit und ohne Behinderung – so gemeinsam wie möglich und so individuell wie nötig gefördert werden.
Bayern setzt daher auf eine Weiterentwicklung mit hoher Durchlässigkeit und bedarfsgerechten Förderwegen. Dazu gehören auch Unterstützungsstrukturen, die inklusives Lernen an allgemeinen Schulen ermöglichen – ebenso wie spezialisierte Angebote, wenn diese für einzelne Kinder der passende Lernort sind. Entscheidend ist, dass Förderung gelingt und Teilhabe praktisch umgesetzt wird.
Zugleich reagieren wir gezielt auf aktuelle Herausforderungen. Ein Beispiel ist das Startchancen-Programm, das Bund und Länder gemeinsam tragen. Ziel ist eine bessere Entkopplung von Herkunft und Bildungserfolg. Mit Sprachstandserhebungen wollen wir Kinder von Anfang an gezielt in ihrer Sprachentwicklung fördern. Im Grundschulbereich vertiefen wir die Stärkung der Basiskompetenzen in Deutsch und Mathematik.
Ich danke Ihnen nochmals für Ihre Rückmeldung. Eine sachliche und konstruktive Diskussion darüber, wie eine hohe Bildungsqualität sicherzustellen ist und Inklusion bestmöglich gelingt, halte ich für wichtig. Deshalb stehe ich dazu immer wieder im Austausch mit der bildungspolitischen Sprecherin unserer Fraktion, meiner Abgeordnetenkollegin Ute Eiling-Hütig.
Mit freundlichen Grüßen
Melanie Huml, MdL

