Wie soll KI sinnvoll in Schulen eingesetzt werden, ohne Leistungsbewertung zu verzerren?
Sehr geehrte Frau G.,
die Frage, die Sie stellen ist aktueller denn je! Sie beschäftigt Verantwortliche in Schulen, Eltern sowie bildungspolitische Experten gleichermaßen. Gerne nehme ich dazu Stellung.
Die Künstliche Intelligenz, insbesondere KI-Chatbots, bergen zahlreiche Chancen und Risiken, auch im Schulunterricht. KI-Anwendungen können einen gleichberechtigteren Zugang zu Wissen fördern und bieten z.B. in Form von digitaler Lernverlaufsdiagnostik neue Chancen der individuellen Förderung und können Lehrkräfte von bestimmten Tätigkeiten entlasten. Gleichzeitig erhalten wir aus der Praxis viele Rückmeldungen, dass Kinder und Jugendlichen mit der Nutzung von KI das selbständige Bearbeiten von Aufgaben vermeiden und so das Risiko besteht, dass wichtige Kompetenzen nicht mehr erlernt werden. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache. Wir brauchen also einen guten Mittelweg.
Der kürzlich erstmals verliehene KI-Schulpreis zeigt, wie einige Schulen in Deutschland schon sehr erfolgreiche Wege gefunden haben, KI-Anwendungen sinnvoll in den Schulalltag zu integrieren. In der Gewinner-Schule in NRW müssen bspw. alle Schüler*innen zunächst einen „KI-Führerschein“ absolvieren, bevor sie diese im Unterricht verwenden dürfen. Kurz: Schule muss zunächst dazu beitragen, einen kritischen und kompetenten Umgang mit KI zu vermitteln – erst dann darf die Anwendung im Unterricht erfolgen. Für Hessen fordern wir GRÜNEN bspw. schon länger, das Schulfach „Digitale Welt“, das derzeit nur an einigen Versuchsschulen unterrichtet wird, flächendeckend verbindlich, zunächst für alle 5. und 6. Klassen, in Hessen einzuführen. Selbst wenn die nötigen Grundvoraussetzungen für die Anwendung im Unterricht getroffen sind, ist für uns GRÜNE aber auch klar, dass KI-Anwendungen nur ganz gezielt und auf Anweisung der Lehrkräfte im Unterricht zum Einsatz kommen sollen, bspw. um individualisierte Rückmeldungen auf einen zuvor selbstständig verfassten Text erhalten zu können. Das Ziel ist sicherlich nicht, dass die Schüler*innen während des Unterrichts fortlaufend den KI-Chatbot befragen, um nicht mehr selbstständig denken zu müssen. Auch nicht alle KI-Chatbots eignen sich für den Einsatz an Schulen – ChatGPT und Co. sind bspw. oft mit Blick auf den Datenschutz problematisch. Deswegen braucht es spezielle für den Schulkontext optimierte Anwendungen, wie den bereits in vielen Bundesländern zum Einsatz kommenden Chatbot „telli“.
Mit freundlichen Grüßen
Mathias Wagner

