MdEP Manuela Ripa (ÖDP)
Manuela Ripa
ÖDP
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Frage von Reinhard G. •

Welche Ursachen sehen Sie für das Bienensterben? Was kann der Gesetzgeber für die Bienen tun?

MdEP Manuela Ripa (ÖDP)
Antwort von
ÖDP

Sehr geehrter Herr G.,

 

vielen Dank für Ihre Frage.

Wir beobachten in der Tat schon seit einigen Jahren einen deutlichen Rückgang der Bienenpopulationen – wie übrigens auch fast aller anderen Insektenarten. Die Krefelder Studie von 2017 ergab, dass in den vergangenen Jahrzehnten die Gesamtmenge an Insekten in Deutschland um mehr als drei Viertel zurückgegangen ist. Das Bienensterben ist somit Teil des Verlustes an Biodiversität, dessen Ausmaße erschreckend und auch für die Menschheit eine Bedrohung sind. Denn Bienen spielen eine wichtige Rolle beim Erhalt unseres Ökosystems. Ohne Bienen würden viele Blüten nicht mehr bestäubt werden, die Nahrungsmittelproduktion leidet dann massiv . Die Bienen spielen durch ihre Rolle bei der Bestäubung auch eine zentrale Rolle beim Erhalt der Artenvielfalt.

 

Der Hauptgrund für das Bienen- wie auch insgesamt für das Insektensterben ist das Verhalten des Menschen. Wir vergiften die Welt mit Insektiziden (besonders die Neonicotinoide sind für Bienen tödlich), Herbiziden (vor allem Glyphosat) und künstlichem Dünger. Die industrielle Landwirtschaft mit ihren Monokulturen zerstört mit ihren naturfeindlichen Strukturen die Biodiversität. Dadurch finden die Bienen immer weniger Flächen, die vom Menschen nicht negativ beeinflusst sind. Dazu kommen die Luftverschmutzung sowie der Klimawandel als Herausforderungen für die Tiere. Durch all diese Faktoren sind die Bienen so dermaßen gestresst, dass Krankheitserreger einfaches Spiel haben.

 

Zunächst einmal kann jede und jeder Einzelne kann etwas für die Bienen tut, indem man in seinem Garten oder auf seinem Balkon bienenfreundliche Pflanzen zieht und selbst keine Insektizide und Herbizide einsetzt. Der weitaus größere Hebel besteht aber in einem Umdenken in der Landwirtschaft: weg von industriell geführten Betrieben, hin zu einer bäuerlichen und ökologischen Landwirtschaft. Dadurch würden unsere Landschaften wieder bienenfreundlicher. Im Rahmen der Europäischen Union können wir über eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik erreichen, dass die Landwirtschaft das Arten- und damit auch das Bienensterben nicht weiter fördert. Etwa indem die Zahlungen der EU an die Bauern an ökologische Kriterien gekoppelt werden. Zwar sollen in der EU künftig 30 Prozent der Direktzahlungen in Umweltprogramme fließen, doch unter diese sogenannte „Eco-schemes“ fallen auch zahlreiche unwirksame Maßnahmen, die keinen positiven Umwelteffekt auslösen. Hier bleibt also noch viel zu tun.

 

Eine Möglichkeit, diesbezüglich Druck auf die Politik auszuüben, sind Volksbegehren. Als Europaabgeordnete der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) bin ich stolz auf den Erfolg des „Volksbegehrens Artenvielfalt – Rettet die Bienen“ meiner Partei in Bayern. Dadurch, dass dieses Volksbegehren durch mehr als 1,7 Millionen Unterschriften unterstützt und deswegen letztendlich vom bayerischen Landtag angenommen wurde, konnten in Bayern bereits einige positive Auswirkungen festgestellt werden. Dazu zählt etwa das Vorhaben, vier große staatliche Waldgebiete in Bayern als Naturwälder zusätzlich unter Schutz zu stellen. Oder auch die Erhöhung der Streuobstförderung oder die die Einstellung neuer Wildlebensbaumretter. Die ÖDP wird auch weiterhin darauf achten, dass die im Volksbegehren aufgestellten Forderungen nicht von der bayerischen Regierung verwässert werden.

 

Die dortigen Maßnahmen müssen aber auch auf andere Regionen und Länder übertragen werden. Deshalb habe ich mit Unterstützer/innen die Europäische Bürgerinitiative „Rettet die Bienen“ ins Leben gerufen, die dann mit der Europäischen Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“ fusioniert ist. Diese Europäische Bürgerinitiative ist ein voller Erfolg und wurde von mehr als einer Million Menschen unterstützt. Die Forderungen sind:

 

1. Ein schrittweiser Ausstieg aus synthetischen Pestiziden
Der Einsatz von synthetischen Pestiziden soll bis 2030 um 80 Prozent reduziert werden. Bis 2035 soll die EU komplett aus der Nutzung der Ackergifte aussteigen.
2. Maßnahmen zur Erholung der Biodiversität
Biotopflächen in landwirtschaftlichen Flächen sollen wiederbelebt und Produktionsmethoden so gestaltet werden, dass die Landwirtschaft wieder einen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt leistet.
3. Unterstützung der Bäuerinnen und Bauern
Die Europäische Agrarpolitik soll reformiert werden. Kleinteilige, vielfältige und nachhaltige landwirtschaftliche Strukturen sollen bevorzugt, der Ökolandbau ausgeweitet sowie die Forschung zu pestizid- und gentechnikfreiem Anbau gefördert werden.

 

Es liegt nun an der Europäischen Kommission zu handeln und entsprechende Gesetzvorschläge vorzulegen. Die Überarbeitung des Gesetzes zur nachhaltigen Nutzung von Pestiziden soll am 22.06.2022 vorgestellt werden.
Als Europaabgeordnete werde ich dieses Gesetz genau mitverfolgen und mich auch weiterhin für den Erhalt der Biodiversität im Europäischen Parlament in allen Gesetzesvorhaben einsetzen.
Auch auf internationaler Ebene muss mehr für den Erhalt der Biodiversität der Bestäuber und damit für die Bienen getan werden. Dafür setze ich mich auch im internationalen Handelsausschuss ein.

 

Mit freundlichen Grüßen

Manuela Ripa

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