MdEP Manuela Ripa (ÖDP)
Manuela Ripa
ÖDP
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Frage von Nadine E. •

Was sind die aktuellen politischen Vorgehensweisen, um Betroffenen von Post Covid, Post Vac und ME/CFS zu unterstützen? Was wird getan, um nach Behandlungen, Therapien, Medikamenten etc. zu forschen?

Hallo Frau Ripa, warum wird nicht mehr für die Versorgung von PostCovid, PostVac und ME/CFS Betroffenen getan?Wissen Politiker*innen nicht, dass Zeit eine große Rolle beim Verlauf der Erkrankung spielt?Der Zustand von Betroffenen verschlechtert sich zunehmend und die Chance auf Heilung wird geringer.Wir, Betroffene und ihre Angehörigen brauchen Ihre Unterstützung.Sie haben die Macht, die Stimme und die Kraft, die den Betroffenen fehlt.Bitte nutzen Sie diese, so dass hundertausende Menschen nicht ihr Leben lang ans Bett gebunden sind.Es gibt Möglichkeiten: das Medikament BC007, Immundadsorption etc..Bitte sorgen Sie dafür, dass Aufklärungskampagnen starten, so dass die Ärzt*innen Odysee, das ständige Rechtfertigen/ Erklären, der Kampf, um eine Versorgung etc. endet und die Versicherungen unterstützen.Auch die Pflegeversicherung muss greifen.Nicht jede*r hat ein soziales Netzwerk.Ich bin eine verzweifelte Partnerin eines Post Covid Erkrankten und bitte Sie Stellung zu beziehen.

MdEP Manuela Ripa (ÖDP)
Antwort von
ÖDP

Sehr geehrte Frau E.,

vielen Dank für Ihre Frage.

Es tut mir sehr leid zu hören, dass Ihr Partner an Post Covid erkrankt ist. Ich wünsche ihm auf diesem Wege die schnellstmögliche Genesung.

Es ist schlimm zu sehen, dass viele Menschen auch Wochen oder sogar Monate nach ihrer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus unter Spätfolgen leiden. Schätzungen zufolge entwickelt jeder zehnte Erwachsene Post-Covid oder Long-Covid nach einer Corona-Infektion.

Long-Covid ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für Symptome, die vier Wochen nach einer Infektion fortbestehen, sich verschlechtern oder neu auftreten. Beschwerden, die noch nach drei Monaten vorhanden sind und mindestens zwei Monate lang anhalten oder wiederkehren, werden als Post-Covid bezeichnet. In der Praxis jedoch wird oft nicht zwischen Long- und Post-Covid unterschieden. Zu den häufigsten Beschwerden zählen Müdigkeit, Erschöpfung und eingeschränkte Belastbarkeit (Fatigue), Kurzatmigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Schlafstörungen sowie Muskelschwäche und -schmerzen. Auch von psychischen Problemen wie depressiven Symptomen und Ängstlichkeit sowie Störungen von Geschmack und Geruch wird häufig berichtet.

Zu Post-Covid-19-Erkrankung/Long-Covid hat meine Fraktion die Europäische Kommission und die nationalen Gesundheitsminister aufgefordert, das Problem ernst zu nehmen. Post Covid war eine unserer politischen Prioritäten im Sonderausschuss des Europäischen Parlaments zu Covid-19, in dem wir auf die vergangenen zwei Jahre der Pandemie zurückblicken und versuchen, Lehren zu ziehen, die schließlich in einem Bericht mit politischen Empfehlungen zusammengefasst werden.

Die WHO hat festgestellt, dass 17 Millionen Menschen in der europäischen Region (zu der auch Zentralasien gehört) in den ersten zwei Jahren der Pandemie an Post-Covid erkrankt sind, was natürlich eine schockierende Zahl ist.

Da es sich beim SARS-CoV-2-Virus noch um ein relativ neues Virus handelt, steckt auch die Forschung zu Post- und Long-Covid noch in den Kinderschuhen. Derzeit sind Forscher weltweit dabei, die Pathologie, die Post- und Log-Covid zugrunde liegt, näher zu bestimmen. Unter der Leitung der Europäischen Arzneimittelagentur sollen Therapeutika, die auf die Symptome der Post-COVID abzielen könnten, entwickelt werden.

Die Forschung zu möglichen Therapien hat bereits glücklicherweise Fortschritte gemacht. Mittlerweile gibt es speziell auf die Bedürfnisse von Post- und Long-Covid-Patient*innen abgestimmte Atem- oder Physiotherapie, die den Betroffenen Erleichterung verschafft. Auch neue Therapien im Bereich des Schmerzmanagements sowie der Ernährung haben sich bei vielen Kranken als wirksam erwiesen. Wichtig ist, dass diese Behandlungen nicht vom Geldbeutel abhängen, sondern von den gesetzlichen Krankenkassen getragen werden. Sollten Menschen dauerhaft arbeitsunfähig werden wegen anhaltender Symptome nach einer Infektion mit SARS-CoV-2, muss die Pflegeversicherung unbürokratisch einspringen.

Allerdings ist die Gesundheitspolitik in der Europäischen Union nach wie vor überwiegend eine Angelegenheit der Nationalstaaten. In Deutschland haben sich die „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“ (BZgA) sowie das Bundesministerium für Gesundheit dem Thema Post- und Long-Covid angenommen. Beide haben gemeinsam umfassende Informationen rund um die Langzeitfolgen einer Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 auf dem neuen Informationsportal www.longcovid-info.de zusammengestellt. Dort finden Betroffene und Angehörige, Arbeitnehmende und Arbeitgebende sowie alle Interessierten verlässliche Informationen zu Long- und Post-Covid. Außerdem wird auf wichtige Anlaufstellen verwiesen, zum Beispiel auf Hilfs- und Beratungsangebote.

Mit freundlichen Grüßen

Manuela Ripa

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