Wie stehen Sie zur Einführung eines Altersvorsorge-Depots für junge Menschen und welche Maßnahmen unterstützen Sie für eine generationengerechte Rentenpolitik?
Sehr geehrter Herr Brinkmann,
als 30-jähriger Bürger aus Hilter mache ich mir Sorgen um die Zukunft der Altersvorsorge. Die Festschreibung des Rentenniveaus auf 48 % bis 2031 sichert zwar heutige Rentner, lässt aber kaum Spielraum für die junge Generation – bei gleichzeitig rasant steigenden Bundeszuschüssen.
Ich sehe in der diskutierten Frühstart-Rente mit einem staatlich geförderten Altersvorsorge-Depot einen zukunftsweisenden Ansatz, der bisher leider nicht weiterverfolgt wird. Auch die Riester-Rente erscheint reformbedürftig und für junge Arbeitnehmer wenig attraktiv.
Kritisch sehe ich zudem die Mütterrente, die jährlich Milliarden kostet – ohne sichtbare Entlastung an anderer Stelle.
Welche Maßnahmen setzen Sie sich konkret für eine generationengerechte Rentenpolitik ein? Unterstützen Sie neue Vorsorgemodelle wie das Altersvorsorge-Depot?

Sehr geehrter Herr W.,
Ihre Sorge als junger Mensch kann ich sehr gut nachvollziehen.
Natürlich muss die Rente heute verlässlich sein, damit sie morgen für kommende Generationen noch bezahlbar bleibt. Genau daran arbeiten wir als Abgeordneter der CDU/CSU mit allem dem dafür notwendigen Respekt auch vor den Lebensleistungen der Älteren.
Die Idee eines staatlich geförderten Altersvorsorge-Depots halte ich grundsätzlich für sinnvoll. Entscheidend wird dann aber die konkrete Umsetzung werden. Ein einfaches, kostengünstiges Standard-Produkt (breit gestreute Fonds/ETFs), klare Regeln für die Auszahlphase, digitale Portabilität verknüpft mit einem Kosten-Deckel hielte ich für eine gute Sache. Sinnvoll wäre zudem ein automatischer Start beim Eintritt in Ausbildung oder Job mit Opt-out und pauschalen Zuschüssen für Geringverdiener, damit die Vorsorge vor allem für die noch jungen Beschäftigten unkompliziert erfolgen kann.
Auch die Frühstart-Rente (monatlich 10 € vom Staat von 6 bis 18 Jahren) erhält von mir ein klares Ja. Früh anlegen und jederzeit etwas hinzufügen zu können, heißt lange vom Zinseszinseffekt profitieren. Das ist aus meiner Sicht ein guter, pragmatischer Einstieg in Kapitaldeckung, ohne gleich neue Bürokratie für Familien auszulösen.
Gleichzeitig setze ich mich für Beitragsstabilität und mehr Kapitaldeckung ein (Bürgerfonds/Generationenkapital). Der Bund stützt die Rentenversicherung heute bereits mit rund 120 Mrd. €, das entspricht etwa 30 % der Ausgaben. Dauerhaft tragfähig wird das System, wenn neben Beiträgen und Steuern auch Kapitalerträge einen spürbaren Beitrag leisten.
Die Verlängerung der Haltelinie bei 48 % Rentenniveau bis 2031 gibt zwar Sicherheit, aber wichtig ist mir eben auch, dass wir die jüngere Generation dabei nicht dabei überfordern. Deshalb setze ich auf einen Beitrags-Korridor mit klarer Obergrenze, auf den zügigen Ausbau kapitalgedeckter Vorsorgebausteine und auf stärkere Betriebsrenten mit automatischer Teilnahme (Opt-out). So können Beschäftigte und Betriebe planbar entlastet werden.
Zur Riester-Rente kann ich nur sagen: Wenn hierbei Entbürokratisierung, einfache Förderung und ein günstiges Standardprodukt schnell gelingen, unterstütze ich eine Reform. Andernfalls braucht es aus meiner Sicht einen transparenten und digitalen, geordneten Neustart, verbunden mit einer deutlichen Kostenbremse.
Zu der von Ihnen erwähnte Mütterrente bleibt zu sagen: Die grundsätzliche Anerkennung von Erziehungszeiten bleibt richtig. Gleichzeitig sollten wir, meiner Meinung nach, aber auch Leistungen zielgenauer finanzieren und Ausgaben sauber aus dem Bundeshaushalt statt über Beiträge decken. Ich sage dies auch mit Blick auf die geplante Mütterrente III (geschätzt rund 5 Mrd. € jährlich zusätzlich). So schützen wir die Jüngeren vor steigenden Lasten, ohne Gerechtigkeit gegenüber Eltern aufzugeben.
Wichtig ist mir zudem, das längere Arbeiten spürbar zu belohnen. D.h., wer möchte, soll einfacher weiterbeschäftigt werden können und mehr Netto vom Zuverdienst behalten dürfen. (Seit 2023 sind die Hinzuverdienstgrenzen bei vorgezogenen Altersrenten entfallen) Mit dem Rentenpaket 2025 erleichtert die Bundesregierung zusätzlich die Weiterbeschäftigung nach Erreichen der Regelaltersgrenze und dafür setze ich mich auch ein.
Mein Ziel ist eine generationengerechte Balance: Verlässlichkeit für heutige Rentner, kluge Kapitaldeckung verbunden mit klaren Leitplanken bei Beiträgen für Ihre Generation der 30-jährigen.
Freundliche Grüße
Lutz Brinkmann MdB