Wie stehen Sie zur Kürzung der Honorare für Psychotherapeut*innen und wie wollen und können Sie Patient*innen und Behandler*innen (vor Ort) unterstützen?
Sehr geehrte Frau Nzume, sicherlich haben Sie mitbekommen, dass die Honorare für niedergelassene Psychotherapeut*innen 2026 um 4,5% gesenkt werden sollen.
Hier zB eine Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/kuerzung-der-honorare-fuer-psychotherapeuten-100.html
Gerade in Oldenburg ist die Situation aktuell sehr angespannt. Die Ausbildung zum/zur Psychotherapeut*in ist langwierig und teuer und die ohnehin schon niedrigen Honorare im Vergleich zu anderen Arztgruppen und im Verhältnis zu den privaten Ausbildungskosten sowie die permanent steigenden Praxiskosten (TI, PVS, Miete, Strom, Gas, Reinigung etc) machen die Niederlassung immer unattraktiver. Wir Oldenburger Behandler kommen nicht mehr hinterher, müssen immer mehr Patient*innen ablehnen und sehen das Leid und die Chronifizierung. Dies bereitet uns große Sorgen. Wie können Sie sich für uns einsetzen? Auch über einen persönlichen Austausch würde ich mich sehr freuen. Psychisch Erkrankte haben keine Lobby!
Sehr geehrte Frau K.,
herzlichen Dank für Ihre Anfrage. Wir haben diese an unseren Sprecher für Psychiatrie, Nicolas Mühlbrecht Breer, weitergeleitet, da dieser Experte in dem von Ihnen angesprochenen Bereich ist. Seine Antwort finden Sie nachfolgend.
Sollten Sie noch weiteren Gesprächsbedarf haben, melden Sie sich bite jederzeit gerne (auch direkt an lena.nzume@lt.niedersachsen.de). Frau Nzume bietet auch regelmäßig Sprechstunden in Oldenburg an, die nächste ist bspw. am 13. April von 16-18h. Lassen Sie es mich gerne wissen, wenn Sie kommen möchten!
Herzliche Grüße
i.A. Kristina Bartz (Büroleitung v. Lena Nzume, MdL)
Antwort Nicolas Mühlbrecht Breer:
Ich selbst bin Kinder- & Jugendlichenpsychotherapeut (VT) und kann Ihnen versichern, dass meine Fraktion und ich Ihre Kritik und Ihre Einschätzung zu den Folgen dieser Entscheidung teilen. Sie schwächt die ambulante Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und wirkt negativ auf einen Bereich im Gesundheitssystem, in dem es nach wie vor hohen und sogar weiter steigenden Bedarf gibt.
Seit der Verkündung der Entscheidung stehe ich im Austausch mit Verbänden und praktizierenden Psychotherapeut*innen, weil auch ich der Überzeugung bin, dass dieser Honorarverlust so nicht hingenommen werden kann (der im Übrigen durch die beschlossenen Strukturzuschläge nicht kompensiert wird). Ich werde auch gegenüber dem Ministerium für Soziales und Gesundheit in Niedersachsen entschieden für eine Rücknahme der Honorarkürzungen eintreten. Darüber hinaus unterstütze ich die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung in ihrem Vorhaben, rechtliche Schritte gegen die Entscheidung zu prüfen.
Der bestehende Kostendruck im Gesundheitswesen darf nach meiner Überzeugung nicht zu Lasten dieser wichtigen Therapieform gemindert werden. Ich hoffe sehr, dass wir hier kurzfristig zu einer positiven Einigung gelangen.
Für weitere Auskünfte stehe ich gerne zur Verfügung. Bis dahin verbleibe ich
mit herzliche Grüßen,
Nicolas Mülbrecht Breer
Mitglied des Niedersächsischen Landtages

