Kersten Artus
DIE LINKE
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Frage von Naqernf Teüajnyq an Kersten Artus bezüglich Innere Sicherheit und Justiz

# Innere Sicherheit und Justiz 19. Feb. 2008 - 22:48

Sehr geehrte Frau Artus,
sie hatten sich schon zur Frage des Rauchens geäußert. Doch das erschien mir unbefriedigend, da sie nur auf medizinische Probleme eingegangen sind. Mir stellt sich hingegen die Frage, ob das Rauchverbot nicht eher ideologische und ordnungspolitische Gründe hat? So wie das anngestrebte Alkoholverbot auf Straßen, das Herausdrängen von Bettlern etc. Denn sonst würde man sich ja die Frage stellen, warum Autos oder Handys, sie sind viel gesundheitsschädlicher, weiterhin erlaubt sind? Reiche Leute gründen sich einen Club und rauchen dort. Uns hingegen, die wir auf kleine Eckkneipen angewiesen sind, soll dieser Genuss verwehrt bleiben. Es wäre jederzeit möglich auch Nichtraucherkneipen zu gründen, meinetwegen auch steuerlich bevorzugt, als nun einfach zu verbieten. Das Rauchverbot kommt wie mancher moderner Quatsch nicht umsonst aus den USA. Es entspricht m.E. einem bestimmten Zeitgeist, der auf sichtbare Sauberkeit setzt, aber das Problem nicht wirklich angeht. Dann wären Hilfsprogramme für Raucher erforderlich. Die Linke tritt dafür ein, habe ich gelesen, Canabis-Konsumenten nicht zu kriminalisieren. Das Rauchverbot führt aber zu einer Kriminalisierung, denn wer die Bußgelder nicht bezahlt oder nicht bezahlen kann bzw. nicht will, wird angeklagt.
Und bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Passivrauchen, denn dann müssten sie auch ein Handyverbot im öffentlichen Raum fordern. Die Gesundheitsschädigung über die Strahlen ist erwiesener Maßen mindestens genauso stark. Also ich verstehe ihre Position nicht und sehe darin nur ein Eingehen auf den Zeitgeist, letztlich aus wahltaktischen Gründen. Doch gerade Linke waren doch aus guten Grund auch immer sehr genussfreudige Menschen.
Freundliche Grüße,
Andreas Grünwald

Von: Naqernf Teüajnyq

Antwort von Kersten Artus (LINKE) 20. Feb. 2008 - 11:26
Dauer bis zur Antwort: 12 Stunden 38 Minuten

Sehr geehrter Andreas Grünwald,

Ich kann mich damit abfinden, dass sie meine Antwort unbefriedigend finde und bedaure, dass Sie sie nicht verstehen. Sie scheinen aber etwas zu verwechseln: Wir sind nicht gegen Eckkneipen, Sie können und sollen dort gern weiterhin Geselligkeit genießen. Ich finde es fragwürdig, den Nichtraucherschutz mit der Stigmatisierung von Obdachlosen gleichzusetzen, da ideologisieren Sie das Thema.

Natürlich habe ich beim Nichtraucherschutz die gesundheitlichen Aspekte in den Vordergrund gehoben, darum geht es schließlich - ich habe mich dabei noch sehr zurückgehalten.

Würde mit dem Nichtraucherschutzgesetz ein Verbot der Zigarettenproduktion einhergehen, deren Vertrieb und Verkauf, wäre an Ihrer Argumentation was dran. Das ist aber nicht so. Jede/r darf weiterqualmen, Sie bekommen Zigaretten an jeder Ecke. Ich sehe daher keine Kriminalisierung von Rauchern/-innen - dies ist ein blasser Vorwurf.

Für ein Hilfsprogramm für ausstiegswillige Raucher/-innen bin ich auf jeden Fall. Der Betrieb in dem ich arbeite, bietet auf meine Initiative demnächst Nichtrauchertrainings an.

Dass ich auf einen Zeitgeist eingehe, war mir nicht klar. Herr Schüler schien mir ganz real.

Vielleicht haben Sie Lust, heute Abend in der Fabrik mit die Wahlabschlussveranstaltung der LINKE.HAMBURG mit Gregor Gysi und Oskar Lafontaine zu erleben - rauchfrei und in bester Stimmung. Denn da haben Sie Recht: Wir feiern gern.

Mit freundlichen Grüßen nach Wilhelmsburg

Kersten Artus