Fachkräftemangel vs. realer Arbeitsmarkt - Was will die Politik gegen Ghosting im Bewerbungsprozess und Ghostjobs unternehmen und wie passt das Bild zum Fachkräftemangel?
Guten Tag Frau Staffler,
überall hören wir vom Fachkräftemangel, aber draußen auf dem Arbeitsmarkt sieht es anders aus.
Selbst in Handwerk, Pflege, IT, Gastro oder der Rüstungsindustrie bekommen viele Menschen Absagen/gar keine Rückmeldung (Ghosting). Ich suche vergeblich seit fast 1 Jahr Arbeit in der Rüstungsbranche, in der ich >10 Jahre Berufserfahrung habe.
Ich war bis jetzt noch nie arbeitslos. Ein Rüstungsunternehmen sagte mir, sie hätten auf eine einzige Stelle rund 700 Bewerber gehabt und wir reden hier nicht von einer hochbezahlten Stelle, sondern vom Mittelfeld. Dazu schreiben Firmen Ghostjobs aus. Da der Arbeitsmarkt so schlecht ist v.a. im MINT muss ich mich für ein Masterstudium bewerben und dieses mit meiner Abfindung finanzieren um nicht ins Bürgergeld zu fallen.
Wie passt dieses Bild zusammen und was will die Politik gegen diese Arbeitsmarktkatastrophe unternehmen? Wir schreiben 100e Bewerbungen auf passende Stellen - also ist das keine Faulheit.
Vielen Dank!
MfG
Sehr geehrte Frau S.,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie sprechen ein wichtiges Problem an: Einerseits wird vom Fachkräftemangel berichtet, andererseits erleben Bewerber Ghosting und sogar Ghostjobs. Das liegt oft an internen Prozessen: Unternehmen schalten Stellenanzeigen, um Talentpools aufzubauen oder formale Vorgaben zu erfüllen, nicht immer mit echter Vakanz.
Die Bundesregierung arbeitet an einer Fachkräftestrategie mit drei Schwerpunkten: bessere Aus- und Weiterbildung, gezielte Zuwanderung und digitale Modernisierung der Arbeitsvermittlung. Darüber hinaus sollen Unternehmen durch Leitlinien zu transparenten Bewerbungsprozessen angehalten werden.
Ihr Hinweis zeigt: Wir müssen nicht nur Fachkräfte gewinnen, sondern auch faire und effiziente Bewerbungsprozesse sicherstellen. Dafür werde ich mich einsetzen.
Herzliche Grüße
Katrin Staffler

