Wie bewerten Sie die geplante Änderung des Arbeitszeitgesetzes (mögliche 12–13‑Stunden‑Schichten) hinsichtlich Gesundheitsschutz und Arbeitnehmerrechten?
Die von Bundeskanzler Merz angestoßene Debatte über die Arbeitszeitderegulierung bremsen alle Entwicklungen, die in den vergangenen Jahren wesentlich zu steigender Erwerbstätigkeit beigetragen haben.
Die geplante Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes ist ein massiver Angriff auf den Gesundheitsschutz und die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. 12- oder gar 13-Stunden-Schichten dürfen nicht zur neuen Normalität werden. Der Acht-Stunden-Tag wurde nicht ohne Grund erkämpft, er ist eine zentrale soziale Schutzregelung.
Wer ernsthaft glaubt, Menschen könnten dauerhaft länger arbeiten, ohne dass Gesundheit, Familie und gesellschaftliches Leben darunter leiden, ignoriert die Realität vieler Beschäftigter. Gerade Pflegekräfte, Handwerker*innen, Beschäftigte im Einzelhandel, in der Gastronomie oder im Schichtdienst arbeiten bereits heute am Limit. Noch längere Arbeitstage bedeuten mehr Erschöpfung, mehr Stress, mehr Burnout und ein höheres Risiko für Arbeitsunfälle. Flexibilität darf kein Deckmantel dafür sein, Schutzrechte auszuhöhlen und den Druck auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weiter zu erhöhen. Eine moderne Arbeitswelt braucht bessere Vereinbarkeit, verlässliche Ruhezeiten und faire Arbeitsbedingungen, keine Rückkehr zu Arbeitszeiten wie im vergangenen Jahrhundert.
Wer den Fachkräftemangel wirklich bekämpfen will, muss Arbeit attraktiver machen, nicht belastender. Gute Arbeit schützt Gesundheit, ermöglicht Teilhabe und respektiert die Grenzen menschlicher Belastbarkeit. Deshalb lehnen wir als Grüne eine weitere Ausweitung der täglichen Höchstarbeitszeit entschieden ab.

