Was gedenken Sie im Bezug auf die Budgetierung und Gehaltskürzungen von PsychotherapeutInnen zu tun?
Sehr geehrter Herr Ott
Wie viele andere bin auch ich erschüttert über die aktuellen politischen Entwicklungen im Bereich der Psychotherapie. Gehaltskürzungen, Budgetierung… und das, obwohl es ohnehin schon eine Versorgungskrise gibt. Nachhaltig ist das nicht. Das Geld, das man in diesem Bereich spart, wird durch Frühberentungen und AUs wieder rausgeholt. Schauen Sie sich die Zahlen an. Diese Politik ist kurzsichtig. Ich appelliere an Sie und Ihre Partei, sich für die BürgerInnen einzusetzen und sich gegen diese Änderungen zu positionieren. Was gedenken Sie an dieser Stelle konkret zu tun?
Liebe Grüße,
L. S.
Sehr geehrte Frau S.,
vielen Dank für Ihre Frage und die eindrückliche Schilderung Ihrer Situation sowie der aktuellen Herausforderungen in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung.
Die von Ihnen beschriebenen Entwicklungen – insbesondere die beschlossenen Honorarkürzungen bei gleichzeitig steigenden Kosten und wachsendem Versorgungsbedarf – nehme ich sehr ernst. Ihre Ausführungen machen deutlich, unter welchem Druck viele psychotherapeutische Praxen bereits heute arbeiten und welche Auswirkungen weitere Einschnitte auf die Versorgung von Patientinnen und Patienten haben können.
Gerade vor dem Hintergrund der ohnehin angespannten Versorgungslage, langer Wartezeiten und der hohen gesellschaftlichen Bedeutung seelischer Gesundheit halte ich diese Entwicklung für äußerst problematisch. Es ist aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar, dass in einer Situation steigender Bedarfe strukturelle Verschlechterungen in Kauf genommen werden.
Vor diesem Hintergrund haben wir bereits für den zuständigen Ausschuss Arbeit, Gesundheit, Soziales einen schriftlichen Bericht der Landesregierung zu den Auswirkungen der Honorarkürzungen auf die ambulante psychotherapeutische Versorgung in Nordrhein-Westfalen angefordert. Dabei geht es uns insbesondere um die Frage, welche konkreten Folgen für Praxen, Patientinnen und Patienten sowie die Versorgungssicherheit insgesamt für Nordrhein-Westfalen zu erwarten sind.
Zugleich erwarten wir von der NRW-Landesregierung, dass sie sich bei der Bundesgesundheitsministerin Warken aktiv gegen die Honorarkürzungen einsetzt. Aus meiner Sicht braucht es eine Versorgungspolitik, die den tatsächlichen Bedarf abbildet und die Arbeit von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten angemessen berücksichtigt – sowohl in finanzieller als auch in struktureller Hinsicht. Eine Schwächung der ambulanten Versorgung wäre ein falsches Signal und würde die bestehenden Probleme weiter verschärfen.
Wir fragen die Landesregierung deshalb konkret nach der Möglichkeit, den Beschluss der Honorarkürzungen durch das Bundesministerium für Gesundheit zu beanstanden. Hier sehen wir NRW-Gesundheitsminister Laumann in der Verantwortung, Druck auf seine Parteikollegin und Bundesministerin Warken geltend zu machen, damit es zu keinem Versorgungsengpass durch die Honorarkürzungen kommt.
Ich danke Ihnen nochmals für Ihr Engagement und dafür, dass Sie Ihre Erfahrungen und Einschätzungen mit mir teilen. Diese sind eine wichtige Grundlage für unsere politische Arbeit.
Mit freundlichen Grüßen
Jochen Ott

