Portrait von Joachim Herrmann
Joachim Herrmann
CSU
94 %
83 / 88 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Benedikt H. •

Wie passt es zur angekündigten Wertschätzung für Polizei und Beamte, dass Bayern das Tarifergebnis im öffentlichen Dienst als einziges Bundesland erst sechs Monate später überträgt?

Als Begründung wird häufig die angespannte Haushaltslage des Freistaats genannt. Für viele Beamte ist dieses Argument jedoch nur schwer nachvollziehbar. Gerade Bayern gehört weiterhin zu den wirtschaftsstärksten Bundesländern Deutschlands. Gleichzeitig ist Bayern meines Wissens derzeit das einzige Bundesland, das eine solche Verzögerung bei der Übertragung des Tarifergebnisses vorsieht.Viele Beamtinnen und Beamte – insbesondere im Polizeidienst – leisten täglich Dienst unter hoher Belastung, auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen. Wenn Tarifsteigerungen erst ein halbes Jahr später auf die Beamtenbesoldung übertragen werden, bedeutet dies faktisch einen weiteren Reallohnverlust.Vor diesem Hintergrund stellt sich für viele die Frage, warum ausgerechnet bei den Beamten gespart werden soll.Ich bitte daher um eine nachvollziehbare Erklärung, warum eine zeitgleiche Übertragung des Tarifergebnisses in Bayern diesmal nicht möglich sein soll.

Portrait von Joachim Herrmann
Antwort von CSU

Sehr geehrter Herr H., 

vielen Dank für Ihre Frage vom 16.03.2026 hinsichtlich der zeitlichen Verschiebung der Übertragung des Tarifergebnisses der Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes der Länder auf die Beamtinnen und Beamten im Freistaat Bayern. 

Es ist nachvollziehbar, dass die Ankündigung dieser späteren Übernahme des Tarifergebnisses auf die Beamtinnen und Beamten für Enttäuschung gesorgt hat. Sie können sich sicher sein, dass dies keine leichte Entscheidung für die bayerische Staatsregierung war. In der Tat gehört Bayern zu den wirtschaftsstärksten Standorten Deutschlands. Nichtsdestotrotz muss die bayerische Staatsregierung den kommenden Doppelhaushalt auf Basis der vorhandenen Haushaltsmittel planen. Die aktuellen und großen Herausforderungen stellen dieses Vorhaben jedoch vor immense Herausforderungen. Anhand des Konsolidierungsbeitrags ist ersichtlich, dass eingespart werden muss, nicht zuletzt auch, um Spielräume für Investitionen als „Motor“ zu schaffen und damit die wirtschaftliche Schlagkraft unseres Standortes durch die Krisen hindurch zu bewahren. 

Rund 40% des Haushalts fließen in die Personalkosten - ein maßvoller Konsolidierungsbeitrag des öffentlichen Dienstes ist daher unvermeidbar. Der bayerischen Staatsregierung ist bewusst, dass die geplante Verschiebung reale Konsequenzen für die bayerischen Beamtinnen und Beamten hat. Allerdings handelt es sich dabei nur um eine zeitliche Verschiebung mit temporärer Wirkung und damit das mildere Mittel im Vergleich zu einer strukturellen (und bleibenden) Anpassung als mögliche Alternative. In den meisten anderen Ländern bestehen wegen massiver struktureller Eingriffe in der Vergangenheit (z. B. niedrigere Bezügeanpassungen als im Tarif vereinbart, Kürzung „Weihnachtsgeld“) verfassungsrechtliche Probleme. Es ist daher anzunehmen, dass diese Länder das Tarifergebnis allein deswegen ohne zeitliche Verschiebung übertragen müssen. Bayern ist insoweit mit seiner vorbildlichen Besoldungspolitik der letzten Jahre in Vorleistung gegangen – das zahlt sich nun aus. Insgesamt hat der Freistaat Bayern in Zeiten steigender Steuereinnahmen die finanziellen Rahmenbedingungen für die Beamtenschaft stets verbessert und sie so am wirtschaftlichen Aufschwung unmittelbar teilhaben lassen. Seit 2013 wurden die Tarifabschlüsse 1:1 auf die Bezüge der Beamtinnen und Beamten übertragen. Auch die Investitionen in den öffentlichen Dienst in Bayern belaufen sich in den letzten 15 Jahren auf über 40 Mrd. Euro. Das zeigt den Stellenwert, den der Freistaat Bayern einem leistungsstarken öffentlichen Dienst beimisst.

In der aktuellen Situation zahlreicher politischer wie gesellschaftlicher Herausforderung sind die bayerischen Beamtinnen und Beamten der Rückhalt der Staatsverwaltung. Auf Basis der vorhandenen finanziellen Möglichkeiten hat sich die Staatsregierung in der Gesamtschau für den am wenigsten einschneidenden Weg entschieden, für den ich insofern um Verständnis werbe. 

Ich hoffe, Ihre Nachfrage mit diesen Ausführungen ausreichend beantwortet zu haben. 

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Herrmann, MdL

Was möchten Sie wissen von:
Portrait von Joachim Herrmann
Joachim Herrmann
CSU

Weitere Fragen an Joachim Herrmann