Jens Peick
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Frage von Susanne E. •

Warum soll Psychoitherapie gekürzt werden?

Sehr geehrter Herr Peik,

ich bin ärztliche Psychotherapeutin und denke eine Kürzung von Psychotherapie würde den gesellschaftlichen Wandel zu mehr Extremismus, Fanatismus, Verelendung, Verarmung noch einmal beschleunigen. Wer soll den die Fragen der Bürger/Innen, zu ihrer Verzweiflung, Krankheit, Hoffnungslosigkeit beantworten? Wer soll diese stützen, ermutigen, überzeugen, dass es sich lohnt konstruktiv zu sein? Wer soll den Arbeitnehmer/Innen in ihrem täglichen Kampf am Arbeitsmarkt und an der Arbeit beistehen, den Rücken stärken, aufbauen, wenn diese nicht mehr kämpfen können?

Es gäbe noch viel hinzuzufügen, Psychotherapeut/Innen sind Stützen einer demokratischen Gesellschaft, stärken die Patient/Innen, damit sie nicht fanatisiert werden.

Ich bitte Sie weitere Kürzungen nicht vorzunehmen. Bitte keine Budgetierung.

Nach 25 Jahren überlege ich mir, ob ich die Praxis früher als gedacht schließe. Und so denken viele in meinem Alter um die 60.

Mit freundlichen Grüßen

Susanne E.

Jens Peick
Antwort von SPD

Ich gebe ihnen vollkommen Recht darin, dass wir Psychotherapie bedarfsgerecht stärken müssen. Psychische Erkrankungen nehmen zu, auch unter Kindern und Jugendlichen. Hier wirken soziale Medien, die Folgen der Coronapandemie und allgemein als hoch empfundener Druck als verstärkende Faktoren. Deshalb haben wir uns als SPD in den Verhandlungen zum Koalitionsvertrag mit der CDU für verschiedene Maßnahmen zur Stärkung der Psychotherapie eingesetzt. 

Sie sprechen die Belastung von psychisch erkrankten Arbeitnehmer*innen an und auch hier stimme ich ihnen zu. Als Arbeits- und Sozialpolitikerpolitiker weiß ich sehr gut, dass psychische Erkrankungen auch einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden verursachen, da sie auf die Dauer und untherapiert den Zugang zum Arbeitsmarkt enorm erschweren können. Arbeit ist nicht nur Lohn, sondern im besten Falle ein sinnstiftender Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Durch längerfristige krankheitsbedingte Arbeitslosigkeit entsteht eine Spirale, aus der viele Menschen nur mit professioneller Beratung und Therapie herauskommen. 

Gleichzeitig möchte ich davor warnen, alle unsere gesellschaftlichen Probleme auf dem Rücken von Psychotherapeut*innen abzuladen. Um Arbeitnehmer*innen den Rücken zu stärken brauchen wir starke Gewerkschaften und Arbeitnehmer*innenvertretungen in den Betrieben sowie Menschen, die sich politisch engagieren in Parteien, die Arbeitnehmer*inneninteressen im Blick haben. 

Psychotherapie sollte aber aus meiner Sicht keineswegs gekürzt werden. Zu dem Vorschlag zur Absenkung der Honorare von Psychotherapeut*innen kam es, da GKV-Spitzenverband und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KVB) gesetzlich verpflichtet sind, die Honorarhöhen in der psychotherapeutischen Versorgung regelmäßig auf Grundlage aktueller Daten zu überprüfen, selbstständig auszuhandeln und gegebenenfalls anzupassen.

Dies wird vom Gesetzgeber delegiert, da sie die Expertise und die Datengrundlage für diese Entscheidung haben. Da sich beide Seiten in diesem Fall nicht einigen konnten, kam es zu einem Schlichtungsspruch des Erweiterten Bewertungsausschusses, der nun eine Absenkung der Honorare vorsieht. Dabei vertreten die Beteiligten unterschiedliche Auffassungen zur Bewertung dieser Entscheidung. Nun steht beiden Seiten eine gerichtliche Überprüfung offen; die KBV hat diesen Weg bereits angekündigt.

Wir haben Bundesministerin Nina Warken aufgefordert darzulegen, welche Auswirkungen die Entscheidung möglicherweise auf die Versorgung haben kann und das BMG aufgefordert darzulegen, wie es den Beschluss prüft und ob und welche Maßnahmen ergriffen werden, wenn festgestellt wird, dass der Beschluss negative Auswirkungen auf die Versorgung haben könnte.

Eine endgültige Entscheidung steht somit noch aus. 

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