DIE GRÜNEN

Frage an Jens Kerstan von Ryxr Wnpbov bezüglich Finanzen

02. Mai 2010 - 18:58

Sehr geehrter Herr Kerstan,

ich wüsste gern, welche Argumente Sie dazu bewegen, die Hilfe für Griechenland zu unterstützen.
Das Problem hat sicherlich zwei Aspekte:
1. Hilfe für diejenigen Institute (Banken, Versicherungen, wer noch?), die Griechenland Geld geliehen haben: Ich glaube, dass es zumutbar wäre, wenn GR Konkurs anmeldete, aus dem EURO austräte und die Geldverleiher ihr Geld abschrieben. Was wäre an diesem Szenario so schlecht für uns alle?
2. Situation der Griechen: Ich glaube, dass der Konkurs des Landes und die Rückkehr zur Drachme für die Griechen ein Weg wäre, ihre Krise zu meistern. Die Drachme könnte gegenüber dem EURO abgewertet werden und Griechenland wäre wieder ein billiges Urlaubsland.

Mit freundlichen Grüßen
E. Jacobi

Frage von Ryxr Wnpbov
Antwort von Jens Kerstan
11. Mai 2010 - 11:07
Zeit bis zur Antwort: 1 Woche 1 Tag

Sehr geehrte Frau Jacobi,

vielen Dank für Ihre Fragen.

Die Finanzhilfen für Griechenland sind ein Gebot europäischer Solidarität und wirtschaftlicher Vernunft.
Der Euro ist eine große politische Errungenschaft. Deutschland hat jahrelang von der gemeinsamen Währung besonders profitiert, denn der Großteil der deutschen Exporte geht in die Eurozone. Auch nach Griechenland wurden jahrelang deutsche Güter geliefert. Deutsche Banken und Unternehmen haben damit kräftig verdient.

Ohne Hilfe würde Griechenland in den Staatsbankrott laufen und die Spekulation gegen Portugal, Spanien, Irland und andere den Euro zugrunde richten. Das würde in Europa wirtschaftliches und soziales Chaos anrichten und deutsche Wirtschaftsinteressen massiv verletzen. Gerade die einfachen Leute wären in Griechenland von den Folgen eines Staatsbankrotts extrem betroffen. Durch die Verteidigung unserer gemeinsamen Währung wird auch der Wert deutscher Gehälter, Renten und Spareinlagen geschützt.

In Griechenland müssen nun gezielt Maßnahmen gegen Korruption, Steuerhinterziehung, Klientelwirtschaft und öffentliche Verschwendung getroffen werden. Griechenland hat sich gegenüber dem IWF und den Euro-Staaten zu einem Sparprogramm verpflichtet, das in seiner Größenordnung einzigartig ist. Der Erfolg der griechischen Reformen hängt auch davon ab, dass sie nicht in sozialer Schieflage umgesetzt werden. Gerade die Vermögenden haben in Griechenland in den letzten Jahren kaum Steuern gezahlt. Entscheidend ist, dass es dem griechischen Staat gelingt, dies wirklich zu ändern ohne dass Griechenland jetzt in eine starke und lang anhaltende Rezession abgleitet

Wäre das Hilfspaket nicht unterstützt worden, so hätte das schlimme Folgen für die Griechen und den Rest Europas gehabt.

Dennoch muss Kritik am Krisenmanagement der Bundesregierung geübt werden. Sie hat viel zu lange gezögert. Die Nothilfe für Griechenland ist während ihres Zauderns durch Spekulation in die Höhe getrieben worden und kostet den Steuerzahler nun mehr als nötig.

Mit freundlichen Grüßen,
Jens Kerstan