Wie stehen Sie zu den geplanten Gesetzesänderungen im Gesundheitswesen?
Sehr geehrter Herr Matzoll, ich bin Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut in Recklinghausen-Süd in eigener Praxis und habe einen halben Kassensitz. Ich kann damit aktuell ca. 30 Patienten versorgen. Wenn die geplanten Änderungen (u. a. Budgetierung der ambulanten Psychotherapie) umgesetzt würden, könnte ich nur noch ca. 16 Patienten versorgen. Das bedeutet 50 % weniger Einkommen bei gleichen Kosten und würde wohl das Aus für meine Praxis bedeuten. In Deutschland arbeiten 70 % auf einem halben Kassensitz. Die meisten könnten nicht mehr wirtschaftlich arbeiten und die Versorgung würde wegbrechen. Ich bitte Sie, sich für einen Erhalt der ambulanten Psychotherapie einzusetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Hartmut I.
Sehr geehrter Herr I.
ich teile Ihre Kritikpunkte der absehbaren verheerenden Versorgungsfolgen bzw. zur drohenden Schließung zahlreicher Praxen. Dies entspricht nicht den grünen Werten von nachhaltiger Präventionsarbeit sowie der Gleichwertigkeit von mentaler Gesundheit.
Unsere Bundestagsfraktion fordert im kürzlich gestellten Antrag die Bundesregierung auf, den GBA mit einer gesonderten Bedarfsplanung für den Kinder- und Jugendbereich zu beauftragen, die Verhältniszahlen in der Bedarfsplanung bedarfsgerecht anzupassen, die ambulante psychotherapeutische Versorgung von komplex und chronisch psychisch Erkrankten zu stärken und die Finanzierung der Weiterbildung von angehenden Psychotherapeut*innen zu sichern.
Auch im Land machen wir deutlich, dass die Psychotherapie als zentrale Säule einer funktionierenden Gesellschaft kein kürzbares „Nice to have“ darstellt, sondern Teil der Daseinsvorsorge ist.
Mit freundlichen Grüßen
Jan Matzoll

