Hallo, womit begründen sie die Honorarkürzungen in der Psychotherapie? Gibt es eine Möglichkeit den Gesetzesentwurf noch zu stoppen? Denn wir brauchen Psychotherapie!!!
Ohne Psychotherapie wäre ich heute nicht mehr am Leben. Ich war 9 Jahre in einer schlimme Partnerschaft in der Gewalt und Machtgehabe eine große Rolle spielten, kurz vor dem Ende der Beziehung habe ich versucht mir das Leben zu nehmen... Dank stationärer sowie ambulanter Psychotherapie stehe ich heute wieder auf eigenen Beinen und konnte sogar beruflich wieder Fuss fassen. Dabei habe ich eine ganze Reihe an Diagnosen wie Depression, Posttraumatische Belastungsstörung, Borderline,ADS und früher auch Angst- und Zwangsstörungen. Ohne die richtige Psychotherapie wäre ich heute nicht mehr hier und nur dank der Therapie konnte ich wieder meinen Weg zurück in den Beruf finden. Ich hoffe sehr, dass dieser Budgetierugswahnsinn hier ein Ende findet. Es geht um Menschenleben!
Sehr geehrte Frau P.,
vielen Dank, dass Sie mir so offen Ihre persönliche Geschichte geschildert haben. Was Sie erlebt haben, berührt mich sehr. Es ist gut, dass Sie heute wieder auf eigenen Beinen stehen und Ihren Weg zurück ins Leben und in den Beruf gefunden haben. Ihre Erfahrungen zeigen eindrücklich, welche Bedeutung eine gute psychotherapeutische Versorgung für Menschen haben kann.
Genau deshalb nehme ich Ihre Sorge sehr ernst. Psychotherapie ist keine verzichtbare Leistung, sondern für viele Menschen eine entscheidende Hilfe – manchmal sogar lebensrettend. Wenn Menschen in Krisen Unterstützung brauchen, müssen sie diese auch bekommen können.
Die aktuellen Diskussionen über die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen haben bei vielen Patientinnen und Therapeutinnen große Verunsicherung ausgelöst. Ziel der geplanten Änderungen ist aber nicht, die psychotherapeutische Versorgung abzubauen oder notwendige Behandlungen zu verhindern.
Im Gegenteil: Wir müssen sicherstellen, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen auch künftig Zugang zu einer guten Behandlung erhalten. Deshalb wurden im parlamentarischen Verfahren wichtige Verbesserungen erreicht. Dazu gehört unter anderem, dass begonnene Behandlungen auch über den Jahreswechsel hinaus abgesichert werden und zusätzliche Regelungen für besonders dringliche und schwer erkrankte Patientinnen besonders Kinder und Jugendliche geschaffen werden sollen. Dafür sind Verbesserungen in Höhe von mindestens 100 Millionen Euro vorgesehen.
Gleichzeitig ist mir bewusst, dass Vertrauen in solche Veränderungen nur entstehen kann, wenn die Auswirkungen in der Praxis genau beobachtet werden. Die vielen Rückmeldungen von Psychotherapeutinnen sowie von Patientinnen zeigen sehr deutlich, wie sensibel dieses Thema ist. Sollte sich zeigen, dass die Versorgung gefährdet wird oder Fehlentwicklungen entstehen, werden wir entsprechend nachsteuern.
Vielen Dank noch einmal, dass Sie Ihre Geschichte mit mir geteilt haben. Ihre Erfahrung macht deutlich, warum es bei dieser Debatte nicht nur um Zahlen und Vergütungssysteme geht, sondern vor allem um Menschen und ihre Lebenswege.
Mit freundlichen Grüßen

