Wie wichtig sind Ihnen persönlich als Mensch Klima- und Artenschutz, sowie soziale Gerechtigkeit einerseits im Vergleich mit fossilen Interessen, Wirtschaftswachstum und Lobbyismus andererseits?
Sehr geehrter Herr Pott,
geboren 1969 verfolge ich schon mein Leben lang die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen: Waldsterben, atomare Bedrohung, Ozonloch, Klimakrise, Artensterben, Plastikmüll. Klimawissenschaftler warnen erfolglos vor der globalen Katastrophe. Fossilkonzerne wie Politik ignorieren die Zerstörung der Biosphäre für Profite. Bald werden große Teile der Erde unbewohnbar, Milliarden Klimaflüchtlinge sich auf den Weg machen. Die Schere zwischen Arm und Reich und damit der soziale Unfrieden wachsen. Die Politik finanziert Aufrüstung, fossile Subventionen und soziale Spaltung. Erneuerbare Energien werden blockiert zugunsten fossiler Profite, trotz der Gefahren politischer Abhängigkeiten. Dabei könnten wir in einer gerechten, nachhaltigen Welt leben, in der Mitbestimmung, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz Hand in Hand gehen. Ich frage mich, welche Welt wir unseren Kindern und Enkelkindern hinterlasse …
Mit verzweifeltem Gruß,
Ihr Alexander P.
Sehr geehrter Herr P.,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich kann gut nachvollziehen, dass Sie sich angesichts von Klimakrise, Artensterben und sozialen Verwerfungen große Sorgen machen. Diese Sorgen nehme ich sehr ernst.
Für mich gilt klar: Klima- und Artenschutz sowie soziale Gerechtigkeit sind zentrale politische Aufgaben. Wirtschaftliche Entwicklung hat nur Zukunft, wenn sie nachhaltig und sozial ausgewogen ist. Politik muss sich am Gemeinwohl orientieren, nicht an einseitigen Lobbyinteressen.
Zur Ehrlichkeit gehört aber auch: Ein Landesparlament kann nicht allein Weltklimapolitik oder die gesamte Bundesenergiepolitik bestimmen. Niedersachsen kann aber vorangehen – und das tun wir. Gerade beim Klimagesetz ist wichtig, genau hinzuschauen: In dieser Wahlperiode gab es bereits zwei Novellen. Die entscheidende inhaltliche Weichenstellung war die Novelle vom 11. Dezember 2023. Sie hat die Klimaziele deutlich verschärft: Treibhausgasneutralität bis 2040, minus 75 Prozent Emissionen bis 2030 und minus 90 Prozent bis 2035 gegenüber 1990. Eine weitere Novelle vom 18. November 2025 hat vor allem Bundesvorgaben zur Wärmeplanung und Klimaanpassung in Landesrecht umgesetzt. Beide Novellen habe ich als klimaschutzpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion mitverhandelt.
Auch beim Ausbau der Erneuerbaren liegt Niedersachsen vorn. 2024 kamen bilanziell 77,6 Prozent der Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energien, beim Bruttostromverbrauch waren es 102,3 Prozent. Bei der Windenergie-Ausschreibung zum 1. Februar 2026 lag Niedersachsen mit 957 MW bundesweit auf Platz 1.
Und mit dem Niedersächsischen Weg gibt es ein bundesweit einmaliges Bündnis von Politik, Landwirtschaft und Naturschutz mit 15 konkreten Zielen für Natur-, Arten- und Gewässerschutz.
Ich bin überzeugt: Wir können Wohlstand, soziale Sicherheit und den Schutz unserer Lebensgrundlagen zusammenbringen. Gerade mit Blick auf unsere Kinder und Enkel gilt: Mut, Pragmatismus und entschlossenes Handeln sind heute wichtiger denn je. Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Guido Pott
Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Bramsche

