Ska Keller, Bild: Dominik Butzmann
Ska Keller
DIE GRÜNEN
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Frage von Qvrgre Möyyre an Ska Keller bezüglich Wirtschaft

# Wirtschaft 18. Mai. 2019 - 23:07

Werden Sie sich als Abgeordnete im Europaparlament dafür einsetzen des Milliardengrab Heiße-Fusionsforschung zu schließen und stattdessen sich sehr schnell für die Förderung von LENR-Projekten („Kalte-Fusionsforschung“) einsetzen?

Von: Qvrgre Möyyre

Antwort von Ska Keller (GRÜNE) 23. Mai. 2019 - 12:30

Lieber Herr Möyyre,

Die Erforschung der Kernfusion zur Stromerzeugung verschlingt in der Tat auch in unserem Land gewaltige Summen, sowohl aus dem deutschen Energieforschungsetat als auch vor allem über Euratom, dessen Budget zu 20% von Deutschland finanziert wird.

Die Begründung für diese Forschung fußt auf Klimaschutz und steigendem Energiebedarf, der von Erneuerbaren Energien in der Zukunft nicht erfüllt werden könne. Nun gibt es zum einen ausreichend Studien, die eine zukünftige Energieversorgung rein auf Basis der Erneuerbaren darstellen, zum anderen die sogenannte Fusionskonstante, die die Stromerzeugung aus Kernfusion immer in ungefähr 35 Jahren von heute an gerechnet sieht. Entsprechend wird heute auf Fusionsstrom in den 50er Jahren gehofft. Das wäre für den Klimaschutz definitiv zu spät. Wollen wir die Klimakrise noch abwenden, müssen wir in den industrialisierten Ländern 2050 bereits eine Energieversorgung ohne CO2-Ausstoß aufgebaut haben. Die Erneuerbaren Energien werden zu diesem Zeitpunkt unschlagbar billig sein und die Stromversorgung zu weiten Teilen dezentral. Falls Fusionsstrom in den 50er Jahren tatsächlich produziert werden könnte, wäre er aller Voraussicht nach weder ökonomisch konkurrenzfähig noch problemlos in ein System der Erneuerbaren zu integrieren.

Die für Energieforschung zur Verfügung stehenden Gelder müssen in die Erfüllung der anstehenden Aufgaben - nämlich bis 2050 eine Energieversorgung auf Basis Erneuerbarer Energien (EE), Speichertechnologien und Effizienz aufzubauen - und die dafür noch notwendigen Erforschungen und Entwicklungen investiert werden. Kernfusion wird zur Erfüllung dieser Aufgabe keinen Beitrag leisten können. Deshalb wollen wir die Gelder auch nicht von heißer zu kalter Fusionsforschung umwidmen, sondern von Kernfusions- zu EE-Forschung.

Freundliche Grüße,
Ihre Ska Keller