Portrait von Felix Martin
Felix Martin
DIE GRÜNEN

Frage an Felix Martin von Znegva Ubsznaa bezüglich Gesundheit

12. Januar 2021 - 12:57

Hallo Herr Martin,

ich habe gerade herausgefunden, dass in Hessen, wenn der 15km-Radius bei einem hohen Infektionsgeschehen verordent wird, Auslandsreisen nicht verboten werden. Wo ist denn der Sinn, dass ich dann zwar nicht mehr in den Nachbarlandkreis fahren kann, aber immer noch in jedwedes Risikogebiet der Welt fahren kann?
Inwiefern nützt es den Menschen, die in diesen Ländern leben, wenn dann Menschen, aus Deutschland dorthin zum Urlaub machen kommen, die nebenbei ja ein höheres Risiko haben das Virus dort zu verteilen, weil sie nicht mal mehr in den Nachbarlandkreis fahren können?
Welches Zeichen setzt die Landesregierung damit, den Menschen, die sich nicht spontan eine Auslandsreise leisten können?
Inwiefern senkt das die Coronainfektionen, wenn dadurch sogar Menschen Anreize haben, in Risikogebiete ins Ausland zu fahren? (Wir wissen ja alle, dass die obligatorische Quarantäne nach solchen Reisen so gut wie nicht kontrolliert wird)
Ich freue mich über eine Beantwortung der Fragen.

Viele Grüße
Martin Hofmann

Frage von Znegva Ubsznaa
Antwort von Felix Martin
12. Januar 2021 - 14:39
Zeit bis zur Antwort: 1 Stunde 42 Minuten

Lieber Herr Ubsznaa,
ich hoffe Sie hatten einen guten Start in dieses noch junge Jahr, für das ich Ihnen vor Allem Gesundheit und persönlichen Erfolg wünsche.

Der von Ihnen angesprochene 15km-Radius ist im hessischen Eskalationskonzept geregelt. Dort heißt es: „Ab kumulativ 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb der letzten 7 Tage in einem Landkreis, einer kreisfreien Stadt, einer Stadt oder einem Ort mit zentralörtlicher Funktion in drei aufeinanderfolgenden Tagen: Einschränkung des Bewegungsradius auf den Umkreis von 15 Kilometern des Wohnortes (politische Gemeinde) für tagestouristische Ausflüge.“

Die Regelung bezieht sich also ausschließlich auf tagestouristische Ausflüge, weil diese in der Vergangenheit stark zugenommen haben und vermehrt Chaos und potenzielle Corona-Hotspots zur Folge hatten. Der Berufsalltag oder auch Reisen werden dadurch nicht berührt.

Die Landesregierung rät aktuell dringend von privaten Reisen ins Ausland ab. Wer dennoch eine solche antreten möchte, muss vor der Einreise in die meisten Länder der Welt einen negativen Corona-Test vorlegen. Ebenso müssen Menschen, die aus einem Risikogebiet wieder zurück nach Hessen einreisen einen solchen negativen Test vorlegen und sich außerdem in eine zehntägige Quarantäne begeben. Diese Maßnahmen minimieren das Infektionsrisiko deutlich und sorgen dafür, dass es nicht zu Masseninfektionen aufgrund deutscher Urlauber kommt. Ich weiße außerdem darauf hin, dass viele Länder ähnliche oder sogar weitergehende Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus getroffen haben, weshalb ein touristischer Aufenthalt oft gar nicht möglich ist.

Aus meiner Sicht entsteht kein Anreiz, sich in ein Corona-Risikogebiet zu begeben. Zum einen, weil die Quarantänebestimmungen so sind wie oben beschrieben, zum anderen, weil die 15km-Regelung je nach Entwicklungen der Inzidenzen in einer Region in einigen Tagen schon wieder obsolet sein könnte. Außerdem ist mir in Hessen kein Ort bekannt, in dessen 15km-Radius nicht schöne Orte zum Entfalten einladen. Schließlich steht es allen Menschen weiterhin frei, sich in der Natur oder an anderen Orten in ihrem Umfeld aufzuhalten. Das massenhaft Menschen spontan eine Auslandsreise in ein Corona-Risikogebiet buchen, bloß, weil sie weiter als 15km von ihrem eigenen zu Hause weg sein wollen, halte ich für keine real existierende Gefahr. Bloß weil etwas theoretisch erlaubt ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch sinnvoll ist, diesen Spielraum zu nutzen. Ich bin sicher, dass die riesengroße Mehrheit der Menschen in Hessen verantwortungsvoll und klug mit ihrem Gestaltungsspielraum umgehen wird.

Beste Grüße
Felix Martin