Stimmen Sie gegen eine Budgetierung der Psychotherapie?
Sehr geehrte Frau Zeulner,
Ich möchte Sie inständig darum bitten, sich heute gegen eine Budgetierung der Psychotherapie stark zu machen. Es geht wirklich um Existenzsorgen bei zahlreichen Kolleg:innen, inklusive mir. Ich habe letztes Jahr einen halben Kassensitz übernommen - zum stolzen Preis von 65000 Euro. Ich zahle meinen Kredit noch viele Jahre ab und sorge mich nun um meine Existenz. Eine Budgetierung der psychotherapeutischen Leistungen könnte dafür sorgen, dass ich mit einem halben Kassensitz nicht mehr wie bisher in Vollzeit arbeiten kann. Darauf ist aber ja mein Geschäftsmodell ausgelegt und das ist auch mein Anspruch an meinen Beitrag zur Versorgung, die ja eh schon eine Katastrophe ist. Eine Wartezeit auf einen Therapieplatz beträgt bei mir derzeit 1,5 Jahre und ich kenne keine Kolleg:innen, bei denen das anders ist. Daher noch einmal die Bitte: Sparen ja, aber nicht kopflos! Wir brauchen da ein Konzept und keine wilde Kürzungswut, die hinten raus mehr Kosten verursacht!
Sehr geehrte Frau G.,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Mich haben mehr als 3.000 Mails und mehrere hundert Briefe zu diesem Thema erreicht und ich nehme die Berichte und Einschätzungen zu den Honorarkürzung sowie der Stabilisierungsmaßnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung und deren Auswirkungen auf die psychotherapeutische Versorgung sehr ernst. Auch in persönlichen Gesprächen mit den Therapeuten aus meinem Wahlkreis habe ich einen deutlichen Eindruck erhalten.
Die Problematik der Budgetierung bei halben Sitzen wurde dabei ebenso angesprochen und ich teile die Meinung, dass es hier eine Lösung im Beitragsstabilisierungsgesetz braucht. Ich sehe hier einen Weg wie ihn der ehemalige unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesauschusses Prof. Josef Hecken aufzeigt: Eine zusätzliche Vergütung doch zu ermöglichen, wenn es um die schwer erkrankten Patientinnen und Patienten, insbesondere Kinder und Jugendliche, geht. Hierfür setze ich mich mit aller Kraft in den aktuellen Verhandlungen ein.
Ich befasse mich aktuell intensiv mit den unterschiedlichen Vorschlägen und Forderungen zur Stabilisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung. Ich bin mir bewusst, dass eine Reform der GKV unumgänglich ist, weil der Beitragssatz der gesetzlich Versicherten sich nicht, wie seit 2022 geschehen, innerhalb der nächsten 4 Jahre nochmals verdoppeln darf. Das würde nicht nur meinem, sondern dem Gerechtigkeitsempfinden aller Beitragszahler widersprechen. Daher braucht es ein gerechtes Gesamtpaket, das solche Möglichkeiten wie die eben beschriebene ermöglicht, um die Akzeptanz der Mehrheit der Menschen zu erreichen.
Mit freundlichen Grüßen
Emmi Zeulner, MdB

