Wie steht der Bedarf an Psychotherapie Ihren Maßnahmen zur Kürzung gegenüber und warum betrifft es die Berufsgruppe mit einem sehr kleinen Anteil an den Gesamtausgaben für Gesundheit?
Sehr geehrte Frau Demuth,
meine Partnerin ist Psychotherapeutin und mit den letzten Medienberichten braucht sie bald selbst Therapie. Die Gehaltskürzungen statt Inflationsausgleich bei gleichzeitig steigenden Kosten (Miete, Berufsverbände usw.) sind ein krasses Signal von Geringschätzung. Und das, wo aktuelle Therapeutengenerationen den Kosten für Kassensitz und Rückzahlung der Darlehen der selbst-bezahlten Berufsausbildung gegenüberstehen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Therapieplätzen an, weil es so langsam endlich kein Tabuthema mehr ist. Was soll meine Therapeutin leisten, wenn sie selbst Geldsorgen hat? Ja, das ist real. Die laufenden Kosten sind erst nach 3 Wochen gedeckt, Krankheit, Kindkrank durch die PKV nicht abgedeckt und der Kredit für den Kassensitz kommt obendrauf. Es ist leider mal wieder eine typische konservative CDU Entscheidung, an einer vergangenen Zeit feestzuhalten statt nach vorn zu blicken :(
Viele Grüße, S. M.
Sehr geehrter Herr M.,
Vielen Dank für Ihre offene Frage. Ich kann Ihre Sorge gut nachvollziehen. Psychotherapeutische Versorgung ist gerade angesichts des steigenden Bedarfs von großer Bedeutung und darf nicht aus dem Blick geraten.
Mit dem GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz geht es nicht darum, die psychotherapeutische Versorgung grundsätzlich zu kürzen. Die Vergütung wird wieder in die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung überführt, wobei das bisherige Finanzvolumen erhalten bleibt. Zugleich wurden im parlamentarischen Verfahren wichtige Verbesserungen für besonders schwer erkrankte und dringliche Fälle auf den Weg gebracht. Dazu gehören unter anderem Regelungen für die Versorgung von Kindern und Jugendlichen sowie die Sicherstellung der Kontinuität bereits begonnener Behandlungen.
Mir ist bewusst, dass steigende Praxiskosten und die hohe Verantwortung gerade für selbstständige Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten eine erhebliche Belastung darstellen. Deshalb nehme ich die Sorgen aus der Praxis sehr ernst. Eine nachhaltige Stabilisierung der GKV darf nicht dazu führen, dass notwendige Therapieplätze verloren gehen oder sich Wartezeiten weiter verlängern.
Gleichzeitig müssen wir die Finanzierung der GKV insgesamt stabilisieren, damit die Beiträge für Versicherte und Arbeitgeber nicht immer weiter steigen. Entscheidend ist aus meiner Sicht, beides zusammenzubringen: solide Finanzen und eine gute, bedarfsgerechte psychotherapeutische Versorgung. Daran müssen wir auch nach diesem Gesetz weiterarbeiten.

