Das Interesse der Händler Pfandflaschen zurückzunehmen sinkt? Was sind politische Lösungen um das Mehrwegsystem zu verbessern?
Sie sind Mitglied im Umweltausschuss.
Ich kenne das Pfandflaschen-Mehrwegsystem noch von meinen Grosseltern. Und bin davon überzeugt. Nur durch die Miteinbeziehung der Pfandflaschen in die Statistik, kann die Gelbe Tonne die Recyclingquote erfüllen.
Leider muss ich immer grössere Finanzelle Nachteile beim Kauf von Pfandflaschen hinnehmen, teilweise den doppelten Preis. Sollten in einer Sozialen Marktwirtschaft nicht die Umweltverschmutzer den höheren Preis zahlen?
Grosse Supermärkte lehnen es ab Pfandflaschen zurückzunehmen, obwohl sie diese von einem anderen Abfüller im Sortiment haben. Wie können ressourcenschonende Verbraucher politisch besser gefördert werden? Sollte ein Standastsortiment von allen grösseren Supermärkten zurückgenommen werden?
Sehr geehrter Herr R.
vielen Dank für Ihre Anfrage vom 29. April 2026, auf welche ich Ihnen gerne antworte.
Grundsätzlich ist Mehrweg ein sehr wichtiges Instrument, um Abfälle zu vermeiden, CO2-Emissionen einzusparen und Ressourcen zu schonen. In diesem Sinne hat sich die Bundesregierung in die Verhandlungen über die europäische Verpackungsverordnung eingebracht und sich für Vorgaben zur Stärkung von Mehrwegverpackungen eingesetzt. Ab 01. Januar 2030 gibt es verbindliche Mehrwegquoten für Getränke, Take-Away-Speisen und Transportverpackungen. Für Getränkeverpackungen gilt: Ab 2030 müssen mindestens 10 % der Produkte in Mehrwegverpackungen bereitgestellt werden. Bis 2040 soll das Ziel auf 40 % steigen (wobei es nationale Diskussionen über noch höhere Ziele, wie z. B. 70 % in Deutschland, gibt). Für Transportverpackungen gilt: Innerhalb der EU oder innerhalb eines Mitgliedstaates müssen oft 100 % der Verpackungen im Rahmen eines Mehrwegsystems wiederverwendbar sein (Ausnahmen gelten für Gefahrgut oder Kartonagen). In Deutschland ist im Verpackungsgesetz eine Quote von 70 Prozent für Mehrweggetränkeverpackungen vorgesehen. Um die Anteile von Mehrweggetränkeverpackungen zu stabilisieren, hat der Gesetzgeber in den vergangenen Jahren die Pfandpflicht auf nahezu alle Einweggetränkeverpackungen, insbesondere auf Kunststoffgetränkeflaschen und Getränkedosen, ausgeweitet sowie eine konkrete Hinweispflicht auf Einweg- und Mehrweggetränkeverpackungen am Regal im Handel verankert.
Die Recyclingquote für die Gelbe Tonne ist eine nationale Zielsetzung. Die Recyclingquote für Kunststoff wird von den dualen Systemen tatsächlich sogar übererfüllt. Deutschland erreicht aber auch die europäischen Recyclingvorgaben aktuell problemlos. Tatsächlich liegt dies aber auch daran, dass die Verpackungen mit Pfand und auch die gewerblichen und industriellen Verpackungen, die nicht in der gelben Tonne landen, gut recycelbar sind.
Mit Ihren Aussagen zum Preis haben Sie recht. Deshalb ist das Einwegpfand höher als das Pfand auf Mehrwegflaschen. Für Einwegflaschen wird ein Pfand von 25 Cent erhoben. Bei Mehrwegflaschen gibt es keine einheitliche gesetzliche Pfandhöhe. Typisch sind 8 Cent beispielsweise für Bierflaschen oder 15 Cent für Mineralwasserflaschen. Dass Getränke aus Mehrweg-Pfandflaschen manchmal teurer erscheinen als früher, liegt nicht an der unterschiedlichen Pfandhöhe, sondern an gestiegenen Produktions- und Logistikkosten, die auf den Verkaufspreis umgelegt werden. In Deutschland haben fast alle Getränkeflaschen Pfand. Ausnahmen gelten vor allem für Milch und Milchprodukte und für Wein sowie für Spirituosen.
Das beschriebene Szenario bei der Pfandrücknahme ist ärgerlich, da die Rechtslage in Deutschland (Verpackungsgesetz) sehr deutlich ist: Supermärkte mit mehr als 200 m² Verkaufsfläche müssen alle Materialarten (Glas, PET, Dose) zurücknehmen, die sie selbst führen – und zwar unabhängig von der Marke oder dem Abfüller. Der Vollzug obliegt den Ländern. Dort fehlt es leider oft an Personal für entsprechende Kontrollen. Eine zentrale Meldestelle oder App, über die Verstöße direkt an die Marktüberwachung angezeigt werden könnten, die Einführung von Einheitsflaschen oder ein vorgegebenes Standardsortiment an Pool-Flaschen sowie eine allgemeine Rücknahmepflicht für alle pfandpflichtigen Flaschen in größeren Märkten, völlig unabhängig davon, ob sie diese Materialart im Sortiment haben, sind Möglichkeiten, die politisch diskutiert werden.
Mit freundlichen Grüßen
Daniel Rinkert

