Hallo Herr Pantazis, wie soll höhere Geburtenrate und Vereinbarkeit von Familie und Arbeiten zur Idee der Abschaffung vom Ehegattensplitting passen? Die Einkommensverluste sind enorm.
Kinder kosten Familien sehr viel Geld. Betreuung ist schwierig. Man soll flexibel weg von den eigenen Eltern ziehen. Gleichzeitig altert unsere Gesellschaft und wir brauchen mehr Kinder.
Die Ideen der SPD aktuell wirken gefühlt genau in die andere Richtung. Es wird immer noch teurer.
Ehegattensplitting an sich finde ich auch nicht sehr sinnvoll, aber es müsste eine Kompensation für Familien mit Kindern geben. Sonst schafft es der Staat doch nur, dass man noch mehr finanzielle Ängste hat, Kinder zu bekommen.
Als Konsequenz gibt es weniger Kinder. Das wiederum führt zu mehr Problemen bei Wirtschaft, Rente und Sozialversicherungen.
Sehr geehrter Herr N.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre sehr nachvollziehbaren Überlegungen. Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: Wer möchte, dass sich Menschen für Kinder entscheiden, muss Familien im Alltag und finanziell verlässlich unterstützen. Genau deshalb darf jede Reform im Steuer- und Sozialbereich nicht isoliert betrachtet werden, sondern nur im Zusammenhang mit einer insgesamt familienfreundlicheren Politik.
Das Ehegattensplitting hat über viele Jahre hinweg insbesondere Paare mit unterschiedlich hohen Einkommen steuerlich entlastet. Zugleich setzt es in seiner heutigen Form aber Anreize, die eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit eher erschweren können. Gerade für viele Frauen lohnt sich eine Ausweitung der Erwerbstätigkeit oft finanziell zu wenig. Aus Sicht der SPD ist es deshalb richtig, das Steuerrecht an die heutige Lebensrealität anzupassen. Dabei ist für uns ebenso klar: Familien dürfen durch eine Reform nicht schlechtergestellt werden. Im Gegenteil: Unterstützung muss künftig gezielter dort ankommen, wo tatsächlich Kinder betreut und erzogen werden. Wer Verantwortung für Kinder trägt, braucht finanzielle Sicherheit, gute Betreuungsangebote und echte Entlastung im Alltag.
Sie haben deshalb recht: Eine Reform des Ehegattensplittings kann nur dann sinnvoll sein, wenn sie mit einer stärkeren Förderung von Familien mit Kindern verbunden wird. Genau darauf kommt es an. Es geht nicht darum, Familien etwas wegzunehmen, sondern staatliche Unterstützung gerechter und zielgenauer auszugestalten. Deshalb setzen wir uns dafür ein, Familien konkret zu entlasten und Leistungen einfacher zugänglich zu machen. Dazu gehören verlässliche Kinderbetreuung, der weitere Ausbau von Kitas, Krippen und Ganztagsangeboten sowie eine unbürokratischere Unterstützung bei familienbezogenen Leistungen. Auch die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Pflege wollen wir im Alltag spürbar verbessern. Mit Blick auf die Geburtenrate gilt aus meiner Sicht: Menschen entscheiden sich nicht wegen eines einzelnen steuerlichen Instruments für oder gegen Kinder. Entscheidend sind vielmehr bezahlbares Leben, verlässliche Betreuung, Planungssicherheit und gute Zukunftsperspektiven. Genau hier muss Politik ansetzen. Unser Ziel ist deshalb ein modernes und gerechtes System, das Familien mit Kindern stärker unterstützt, partnerschaftliche Erwerbsmodelle erleichtert und den Alltag von Eltern spürbar entlastet.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Christos Pantazis, MdB

