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Christos Pantazis
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Frage von Barbara M. •

Wie rechtfertigen Sie die geplante Budgetierung im Bereich der ambulanten Psychotherapie, auch für Kinder und Jugendliche, angesichts des bereits bestehenden Nachfrageüberhangs?

Lieber Herr Pantazis, als langjährig im Ruhrgebiet niedergelassene Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin erlebe ich täglich die Folgen struktureller Unterfinanzierung: monatelange Wartezeiten, verzweifelte Familien und eine Versorgung, die dem tatsächlichen Bedarf (ca. 30 Anfragen/Woche nur bei mir!) in keiner Weise gerecht wird. Sollten psychotherapeutische Leistungen budgetiert werden, lässt sich eine Großzahl meiner laufenden Behandlungen nicht mehr weiterführen und ich muss noch mehr Anfragende abweisen. Etliche Praxisschließungen drohen, da nicht mehr kostendeckend gearbeitet werden kann! Wir können, anders als Ärzte, unsere Arbeit nicht skalieren! Suizid ist im Kindes- und Jugendalter die zweithäufigste Todesursache! Kürzungen in der ambulanten Therapie verschärfen nicht nur persönliches Leid, sondern verursachen langfristig auch höhere gesellschaftliche und wirtschaftliche Kosten (ROI der Psychotherapie: 1:4). Bitte verhindern Sie dies! Wir zählen auf SIE! Vielen Dank!!!

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Antwort von SPD

Sehr geehrte Frau M.,

vielen Dank für Ihre Nachricht und für die sehr eindrücklichen Einblicke in Ihren Praxisalltag. Die von Ihnen geschilderten Wartezeiten, die Vielzahl an Hilfesuchenden und die Belastung vieler Familien machen deutlich, wie angespannt die Situation in der Kinder- und Jugendpsychotherapie bereits heute ist. Gerade bei jungen Menschen können lange Wartezeiten schwerwiegende Folgen haben. Umso wichtiger ist es, dass die Versorgung in diesem Bereich politisch mit besonderer Sensibilität betrachtet wird.

Sie sprechen zudem einen zentralen Punkt an: Psychotherapeutische Versorgung lässt sich nicht beliebig ausweiten oder „skalieren“. Therapeutische Arbeit braucht Zeit, Verlässlichkeit und Kontinuität. Gleichzeitig steigt der Bedarf an psychotherapeutischer Unterstützung seit Jahren deutlich an – insbesondere auch bei Kindern und Jugendlichen. Deshalb haben wir uns im Koalitionsvertrag ausdrücklich vorgenommen, die mentale Gesundheit stärker in den Fokus zu rücken und die Versorgung weiter zu verbessern.

Der aktuell diskutierte Gesetzentwurf zur Stabilisierung der GKV-Finanzen verfolgt das Ziel, die stark steigenden Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung langfristig tragfähig zu halten. Hintergrund ist unter anderem, dass der Anteil extrabudgetär vergüteter Leistungen in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen ist. In diesem Zusammenhang wird derzeit auch über Veränderungen bei der Vergütungsstruktur psychotherapeutischer Leistungen diskutiert.

Dabei ist für mich klar: Psychische Erkrankungen sind kein nachrangiges Thema, sondern ein zentraler Bestandteil gesundheitlicher Versorgung. Das gilt in besonderem Maße für Kinder und Jugendliche. Reformen dürfen deshalb nicht dazu führen, dass sich bestehende Versorgungsengpässe weiter verschärfen oder notwendige Behandlungen erschwert werden.

Auch die Finanzkommission Gesundheit weist selbst darauf hin, dass mögliche Fehlanreize und Auswirkungen auf Versorgungskapazitäten sorgfältig berücksichtigt werden müssen. Genau deshalb wird es im parlamentarischen Verfahren entscheidend darauf ankommen, die Auswirkungen auf Wartezeiten, Versorgungssicherheit und die wirtschaftliche Tragfähigkeit psychotherapeutischer Praxen sehr genau zu prüfen.

Eine abschließende Entscheidung ist hierzu noch nicht getroffen worden. Die Beratungen im Bundestag stehen erst am Anfang. Ich werde mich dabei dafür einsetzen, dass die Versorgung psychisch erkrankter Menschen – insbesondere von Kindern und Jugendlichen – nicht geschwächt wird und notwendige Reformen mit Augenmaß erfolgen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Christos Pantazis, MdB

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