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Christian Lindner
FDP

Frage an Christian Lindner von Ryvfnorgu Jüem bezüglich Wirtschaft

10. Januar 2021 - 11:08

Welchen Plan B, trotz aller Impfaussichten, hat die Politik für Friseure parat?
Friseure haben über acht Monate lang nachgewiesen, dass sie Hygienekonzepte können, bevor wir in den zweiten Lockdown mussten.

Eigentlich wird damit etwas Erfolgreiches im alltäglichen Kampf gegen die Pandemie,
zurückgefahren.
Die Folge: Keine Dauer- sondern eine Insolvenzwelle steht bei Friseuren an.
Somit wird Schwarzarbeit unterstützt.

Zur Erinnerung für die Politik – es geht um Haare:
• Wir können keine to-go Dienstleistungen anbieten
• Wir können unsere Arbeit nicht in ein Homeoffice verlagern.
• Wir können kein click and collect anbieten.

Daten und Fakten fürs Superwahljahr 2021:
• rund 80.000 Friseursalons in Deutschland
• mit über 240 000 Beschäftigte und rund 20 000 Azubis
(Angaben: Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks)

Unser Video:
https://www.youtube.com/watch?v=DQJVvSU_MVE

Medienecho

Bayerisches Fernsehen
https://www.br.de/mediathek/video/corona-schattenwirtschaft-im-lockdown-av:5ff46fcef24bfc001a70b162

Mittelbayerische Zeitung
https://www.mittelbayerische.de/region/neumarkt-nachrichten/welchen-plan-b-gibt-es-fuer-die-friseure-21102-art1969295.html

ARD und Deutsche Handwerks Zeitung
https://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/schliessung-umsaetze-schwarzarbeit-das-sind-die-probleme-der-friseure-in-der-pandemie/150/3094/409615

Mein Hintergrund:
Ich bin Obermeisterin der Friseurinnung Neumarkt. Und damit Sie mich richtig einschätzen können: Ich wäre für einen knallharten, dreiwöchigen Lockdown im November 2020 gewesen (Kompletter Stillstand, bis auf Lebensmittel- und Medizinversorgung). Jetzt haben wir eine Salamitaktik.
Mehr gibt es auch unter https://www.elisabeth-haarstudio.de/

Ich bin sehr auf Ihre Antwort gespannt.
Vielen Dank für Ihre Zeit und vor allem für Antworten ohne Standardfloskeln, Textbausteine oder Durchhalteparolen.

Elisabeth Würz

Frage von Ryvfnorgu Jüem
Antwort von Christian Lindner
13. Januar 2021 - 17:25
Zeit bis zur Antwort: 3 Tage 6 Stunden

Sehr geehrte Frau Jüem,

vielen Dank für Ihre Frage. Ich kann Ihren Unmut sehr gut verstehen und teile Ihre Kritik an der Salamitaktik der Bundesregierung.

Bereits im November haben wir dafür plädiert, dass diejenigen Unternehmen offen bleiben sollten, die ein funktionierendes Hygienekonzept vorweisen konnten, die in Hygienemaßnahmen investiert und die bereits in den Monaten zuvor bewiesen haben, dass sie einen wichtigen Beitrag bei der Pandemiebekämpfung leisten. Stattdessen erprobte die Bundesregierung den Lockdown Light, bei dem ohne jegliche wissenschaftliche Evidenz Betriebe schließen mussten. Die Folge war eine Verlagerung der Treffen von Menschen in den privaten Bereich und weiter steigende Infektionszahlen, bevor wir dann im Dezember die Notbremse ziehen mussten. Wir hangeln uns seitdem von einem Lockdown zum nächsten. Diejenigen Betriebe mit geeigneten Hygienekonzepten sind nun leider die Leidtragenden.

So kann es nicht weitergehen. Die Bundesregierung muss dringend eine dauerhaft durchhaltbare Strategie vorlegen. Eine Komponente muss eine regionale Differenzierung sein. Wenn es Regionen gibt, in denen das Infektionsgeschehen relativ moderat ist, dann sollten dort auch Schulen, Gastronomie oder Friseure öffnen dürfen. Weiter muss der Fokus endlich auf einem wirklichen Schutz der Risikogruppen liegen, hier haben wir beispielsweise immer noch große Defizite im Bereich der stationären Pflege. Bei der im Dezember gestarteten Impfkampagne müssen wir außerdem ein sehr viel höheres Tempo erreichen. Wir fordern außerdem einen Impfgipfel, bei dem die Bundesregierung mit der Pharmabranche gemeinsam Lösungen erarbeitet, wie Impfstoffproduktion rasch ausgeweitet werden kann, etwa durch Lizenzproduktion anderer Unternehmen.

Das habe ich auch in meiner heutigen Rede im Deutschen Bundestag noch einmal deutlich gemacht. Schauen Sie gerne rein: https://dbtg.tv/fvid/7495528

Selbstverständlich sind die Abstands- und Hygieneregeln nach wie vor zentral. Wir müssen weiter an ihnen festhalten und Kontakte so gut es geht vermeiden.

Mit freundlichen Grüßen
Christian Lindner