Portrait von Christian Görke
Christian Görke
Die Linke
100 %
15 / 15 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Steffan B. •

Gegen Sportförderung?

Hallo Herr Görke,

wieso stimmt ihre Partei fast einheitlich gegen eine Sportförderung? Welche wirklich aussagekräftigen Gründe sprechen gegen diese Förderung?

Fianzielle Aspekte schließe ich mal von vorne herein aus. Diese dürfen keine Rolle spielen, das wäre absoluter Unfug.

Mit großem Interesse warte ich auf eine Antwort. Herzlichen Dank

Portrait von Christian Görke
Antwort von Die Linke

Sehr geehrter Herr B., 

herzlichen Dank für Ihre Frage. Es stimmt, alle anwesenden Mitglieder meiner Fraktion haben gegen das Sportfördergesetz gestimmt. Das haben wir getan, weil uns der Sport am Herzen liegt und die Sportförderung in dem Gesetz viel zu kurz kommt. Wir haben deshalb entsprechende Anträge eingereicht, die ich Ihnen anbei verlinke. 

Es geht vor allem um sechs Punkte, weshalb wir dem Gesetz nicht in dieser Form zustimmen konnten: 

  1. Die Regierung hat die Sportförderung abhängig „nach Kassenlage und Ermessen“ gemacht. Das ist Stillstand mit Ansage. Aktuell beträgt der Anteil des Sportes am Gesamthaushalt gerade einmal 0,06 Prozent. Deshalb fordern wir als Linke einen Aufwuchs von 10 Prozent jährlich in der Spitzensportförderung.
  2. Die im Gesetz geschaffene Sport-Agentur ist ein Schlag ins Gesicht des organisierten Sports. Die Athletinnen und Athleten, um die es ja in dieser Reform geht, sind im Stiftungsrat nicht vertreten. Der Behindertensportverband fällt auch außen vor. Wir fordern deshalb echte Mitbestimmung im Stiftungsrat.
  3. Leistungssportler:innen sind aktuell stark unterfinanziert. Die Hälfte von ihnen bekommt weder Rentenansprüche, noch Mutterschutz und fällt durch die sozialen Sicherungsnetze. Viele müssen sich deshalb mit Zweitjobs über Wasser halten. Wir schlagen deshalb eine Mindestförderung in Höhe von 1.800 Euro pro Monat vor. Das würde den Sport als Vollzeitjob würdigen.
  4. Die Bundestrainer:innen haben teilweise seit 2019 keine Lohnerhöhung bekommen. Während Miete, Lebensmittelpreise und Energiekosten immer weiter angestiegen sind, hat das Reallohnverluste zur Folge. Es gilt das Tariftreuegesetz und der Bund darf hier keine Ausnahmen machen. Für viele Landestrainer:innen, so auch in Brandenburg, werden inzwischen tariflich bezahlt. Es ist höchste Zeit, dass die Bundesebene hier endlich nachzieht.
  5. Der Behindertensport ist im Gesetz stark benachteiligt. Während 110 Millionen Euro für den olympischen Sport vorgesehen sind, sind es nicht einmal 20 Millionen für den Leistungssport für Menschen mit Behinderungen. Das ist ein eklatanter Bruch der UN-Behindertenrechtskonvention und des dritten Artikels unseres Grundgesetzes. Wir haben deshalb einen Stufenplan erstellt und in Form eines Antrages in den Bundestag gebracht, mit dem der paralympische Sport an den olympischen Sport angeglichen werden kann.
  6. Der über Jahrzehnte aufgebaute Investitionsstau bei Sportstätten in Höhe von 31 Milliarden Euro wird von dem Gesetz ignoriert. Zur Zukunft des Spitzensports gehören gut ausgestattete Olympiastützpunkte, aber vor allen Dingen intakte Sportanlagen in den Schulen, in den Vereinen und in der Nachbarschaft. Die Kinder von heute sind die Spitzensportler von morgen. Wer hier spart, darf sich dann auch nicht über fehlende Medaillen beschweren.

     

Die diesbezüglichen Anträge meiner Fraktion finden Sie unter folgenden Links: 

https://dserver.bundestag.de/btd/21/036/2103616.pdf

https://dserver.bundestag.de/btd/21/053/2105333.pdf

https://dserver.bundestag.de/btd/21/055/2105568.pdf

https://dserver.bundestag.de/btd/21/045/2104540.pdf

 

Mit freundlichen Grüßen

Christian Görke

Was möchten Sie wissen von:
Portrait von Christian Görke
Christian Görke
Die Linke

Weitere Fragen an Christian Görke