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Boris Mijatović
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Frage von Karen I. •

Sehr geehrter Herr Mijatović, wie können wir die Weltuntergangsuhr wieder zurückdrehen?

Letzte Woche hat das Bulletin of the Atomic Scientists die Weltuntergangsuhr für 2026 veröffentlicht. Der Zeiger steht jetzt auf 85 Sekunden vor Mitternacht. Damit stehen wir näher vor dem globalen Zusammenbruch als je zuvor, sogar zu Zeiten des Kalten Krieges. Diese Einschätzung begründet das BAS mit dem steigenden Risiko eines Atomkrieges, der mangelnden Handlungsbereitschaft im Umgang mit der Klimakrise sowie neuartigen Risiken durch Biotechnologie und künstliche Intelligenz, alles verschärft durch die abnehmende Kooperationsbereitschaft der Großmächte.
https://thebulletin.org/doomsday-clock/2026-statement/
Wie versuchen Sie, diese Risiken zu mindern? Wie schätzen Sie die Aussichten ein?

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau I.,

vielen Dank für den Hinweis auf das Bulletin of the Atomic Scientists. Ich habe Ihre Nachricht zum Anlass genommen, mir die Uhr und die Einschätzungen seit dem Zweiten Weltkrieg anzuschauen. Eine spannende historische Entwicklung, auch mit Phasen einer Entspannung, die im Nachhinein gar nicht so entspannt wirken.

Dass wir heute mit 85 Sekunden in einer extrem schwierigen Phase stehen, ist mit zahlreichen Argumenten aus den Bereichen Klima, Kriege und menschliche Sicherheit sehr klar zu untermauern. Auch die Sorgen um technische Entwicklungen wie in der Künstlichen Intelligenz sind vielfach begründet und Handlungen zur Entspannung dringend notwendig.

Zugleich erleben wir eine Bundesregierung, die - im Gleichschritt mit anderen wohlhabenden Nationen der Welt - Mittel für humanitäre Hilfe streicht. Die Einrichtungen der Vereinten Nationen leiden massiv unter diesen Kürzungen, für manche Nichtregierungsorganisation bedeuten die Kürzungen das Ende ihres Einsatzes an vielen Stellen.

Im Plenum des Bundestages habe ich verteidigt: Das humanitäre System ist eine globale Errungenschaft, dass über viele Jahrzehnte wichtige Arbeit erbracht hat, in schwierigsten Situationen vor Ort war, und gemeinsam mit Partnern aus der Zivilgesellschaft und in den Ländern selbst, versuchte, menschliche Sicherheit wiederherzustellen. Sicher waren die humanitären Systeme nicht immer erfolgreich. Manche Konflikte dauern seit Jahrzehnten und die Menschen in den Regionen leiden weiterhin an Unterernährung, einfachen Krankheiten oder an brutaler Gewalt, die nach Macht, Ressourcen und Kriminalität strebt.

Mein Vergleich war immer der eines großen Ozeanriesen, der nur langsam zu stoppen, aber noch schwerer wieder in Fahrt zu bringen ist: Die humanitäre Hilfe zu kürzen, bedeutet, ein großes Containerschiff zu stoppen. Wenn das einmal angehalten hat, wird es sehr viel Kraft brauchen, das Schiff wieder in Fahrt zu bekommen.

Aktuell verlieren viele Kräfte der humanitären Hilfe ihren Job. Wir erleben, wie die Vereinten Nationen massiv angegriffen werden und ihre Bedeutung überall auf der Welt reduziert wird. An manchen Orten zynisch sogar: Seht ihr, ihr schafft es ja doch nicht.

In dieser Zeit habe ich mich bewusst und aktiv um den Vorsitz des Unterausschusses Internationale Ordnung, Vereinte Nationen und Internationale Organisationen im Deutschen Bundestag bemüht, um diese Einrichtung der Vereinten Nationen zu unterstützen. Um die Arbeit so vieler Internationaler Organisationen bekannt zu machen, selbst kennenzulernen und ihren Wert für die Menschen weltweit zu vermitteln und so die Arbeit zu stärken.

Ich bin überzeugt, dass uns der Rahmen einer verabredeten und regelbasierten Internationalen Ordnung hilft, Kriege zu verhindern und menschliche Sicherheit global zu verbessern.

Mit freundlichen Grüßen
Boris Mijatovic

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