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Bernd Rützel
SPD
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Frage von Rüdiger B. •

Wieso hält man in Deutschland an einem Rentenniveau von niedrigen 48% fest und diskutiert ausschließlich über weitere verschlechternde Bedingungen für die Menschen im verdienten Ruhestand?

In fast allen Europäischen Ländern liegt das Niveau wesentlich höher - was übrigens wenig erstaunlich ist: hier bei uns im Land liegt es für Politiker mit über 70% Rentenniveau viel höher als für das gemeine Volk. Für die Menschen, die ein sehr langes Arbeitsleben immer pünktlich zahlen mussten für dieses Land ist das wie ein Schlag mit der flachen Hand mitten ins Gesicht, weil die Preise für das Leben laufen grade den Rentnern noch stärker davon, weil sie schon wenig haben und eventuell dann auch noch auf die ausgezahlte Versicherungsleistung zusätzlich Steuern zahlen sollen. Den berühmten Pfandflaschen Sammler will ich da nicht einmal zitieren. Es gibt unfassbar viele in diesem doch ach so reichem Land die lieber aus Scham zu Hause die Zeit aussitzen, bis sie wieder liquide sind. Das ist die Wahrheit in Deutschland. Denken Sie alle einmal genau darüber nach, ob das gerecht ist oder nicht und ziehen sie daraus Konsequenzen!

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Antwort von SPD

Sehr geehrter Herr B.,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Tatsächlich ist es so, dass die Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent angesichts des politischen Klimas bereits ein Erfolg ist. Viele Parteien würde das Rentenniveau noch weiter absinken lassen. Die SPD sieht das anders – hat aber bei den letzten lediglich 16, 2 Prozent der Stimmen erhalten. Würde es nach mir gehen, müsste das Rentenniveau noch höher sein, idealerweise bei 53 Prozent, so wie es einmal war.

Damit bin ich beim nächsten Punkt: Das Rentenniveau lässt sich in Europa nicht einfach vergleichen, weil die Rentensysteme auf völlig unterschiedlichen Logiken, Finanzierungsmodellen und Steuerregeln basieren. Ein reiner Prozentvergleich führt daher oft zu falschen Schlüssen. Statistiken nutzen entweder das Bruttorentenniveau (vor Steuern und Abgaben) oder das Nettorentenniveau (nach Steuern und Abgaben). Wenn die Bruttorente mit dem letzten Bruttoeinkommen verglichen wird, verzerrt es die Werte, weil Renten in manchen Ländern voll versteuert werden müssen und Krankenversicherungsbeiträge anfallen. In anderen Ländern sind Renten weitgehend steuerfrei. Das Nettorentenniveau zeigt, wie viel Geld tatsächlich auf dem Konto landet, bezogen auf das vorherige Nettoeinkommen. Da Rentner oft weniger Steuern zahlen als Beschäftigte, liegt das Nettorentenniveau meist deutlich höher als das Bruttorentenniveau.

Wenn wir im deutschen System von Rentenniveau sprechen, meinen wir aber noch etwas völlig anderes. Hier geht es um das Verhältnis zwischen der Höhe einer Standardrente und dem aktuellen Durchschnittseinkommen aller Beschäftigten, die in die Deutsche Rentenversicherung einzahlen. Es ist keine Aussage darüber, wie viel Prozent des eigenen letzten Gehalts ein einzelner Rentner bekommt, sondern ein statistischer Messwert.

Freundliche Grüße

Bernd Rützel

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