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Bärbel Bas
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Frage von Florian B. •

Wie begegnen Sie dem Risiko einer KI-bedingten Arbeitslosenwelle? Welche konkreten Maßnahmen wurden bereits beschlossen oder geplant, ab wann greifen sie,wie sieht Ihre langfristige KI-Strategie aus.

Der zunehmende Einsatz von KI wird laut zahlreichen Studien in den kommenden Jahren erhebliche Rationalisierungseffekte haben. Betroffen sind nicht nur einfache Tätigkeiten, sondern zunehmend auch Verwaltung, IT, Planung und wissensbasierte Berufe.Vor diesem Hintergrund interessiert mich: – Wie schätzen Sie das Risiko struktureller Arbeitsplatzverluste durch KI in den nächsten 5–10 Jahren ein?
– Welche konkreten politischen Maßnahmen existieren bereits (z. B. Weiterbildung, Umschulung, soziale Absicherung, neue Arbeitsmodelle)?
– Falls sich Maßnahmen noch in Planung befinden: Ab wann ist mit umsetzungsreifen Programmen oder Gesetzesinitiativen zu rechnen?
– Welches langfristige Zielbild verfolgen Sie beim Zusammenspiel von KI, Erwerbsarbeit und sozialer Teilhabe?Ich bitte um eine konkrete und möglichst faktenbasierte Antwort.

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Antwort von SPD

Sehr geehrter Herr B.

Künstliche Intelligenz (KI) ist als Querschnittstechnologie in der gesamten Arbeitswelt unterschiedlich einsetzbar. Immer mehr Unternehmen in Deutschland nutzen KI oder planen den Einsatz von KI, wobei derzeit größere Unternehmen deutlich häufiger KI nutzen als kleine und mittlere Unternehmen (KMU): Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass in Deutschland jedes vierte Unternehmen (26 Prozent) KI nutzt, bei den großen Unternehmen sind es über die Hälfte (57 Prozent). 

Ob der Einsatz von KI oder die technische Möglichkeit, KI zur Automatisierung von Tätigkeiten einzusetzen, dabei im Saldo überhaupt zu Arbeitsplatzverlusten führt, ist eine vieldiskutierte Frage. Grundsätzlich haben Studien zu den Arbeitsmarkteffekten von KI-Nutzung eine erhebliche Prognoseunsicherheit und eine erhebliche Variation in den geschätzten Effekten. Auch bei KI zeigt sich, dass vor allem Routineaufgaben automatisiert werden, während neue Jobs in Bereichen wie Informationstechnik - IT, Datenanalyse oder Dienstleistungen entstehen. Insgesamt gehen Studien davon aus, dass sich der Arbeitsmarkt strukturell verändert. Die Zahl der Jobs bleibt weitgehend stabil, allerdings verschieben sich die Anforderungen und Jobprofile, sodass Qualifikation und Weiterbildung eine entscheidende Rolle spielen. Die politischen Maßnahmen sind umfangreich und vielfältig.

Die Bundesregierung hat als eines der ersten Länder weltweit im Jahr 2018 eine Nationale Strategie für KI-beschlossen. Insgesamt wurden seitens der Bundesregierung 3,5 Milliarden Euro in die Umsetzung der KI-Strategie investiert. Ausweislich eines Berichts der OECD vom Sommer 2024 (https://www.oecd.org/en/publications/oecd-artificial-intelligence-review-of-germany_609808d6-en.html) hat die KI-Strategie Deutschland gerade in der KI-Forschung, der KI-Ausbildung und der Bereitstellung von Angeboten für KMU vorangebracht. Mit der Hightech Agenda Deutschland, die das Kabinett im Sommer 2025 beschlossen hat, hat die Bundesregierung KI als zentrale Schlüsseltechnologie definiert und sich ambitionierte Ziele vorgenommen. 

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat den Einsatz von KI und Digitalisierung als neues Handlungsfeld in das Impulspapier für eine Weiterentwicklung der Fachkräftestrategie der Bundesregierung aufgenommen. Auch die Nationale Weiterbildungsstrategie legt in dieser Legislaturperiode einen Schwerpunkt auf darauf, die Chancen der Digitalisierung und von Künstlicher Intelligenz für die Weiterbildung zu nutzen und die Herausforderungen erfolgreich zu gestalten (nwk-fortsetzungspapier.pdf).

Das BMAS hat bereits 2020 das „Observatorium KI in Arbeit und Gesellschaft“ (KI-O) gegründet. Gemeinsam mit Partnern aus Unternehmen, Wissenschaft, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft werden dort die technologischen Entwicklungen und die Auswirkungen von KI auf Arbeit, z. B. auf Kompetenzanforderungen, Arbeitsqualität, Produktivität oder Ungleichheit untersucht. Mit dem ESF Plus-Förderprogramm „Zukunftszentren“ unterstützt das BMAS seit Anfang 2023 Unternehmen, insbesondere KMU und ihre Beschäftigten, in den großen Veränderungsprozessen Digitalisierung/KI, ökologische Transformation und demografischer Wandel/Fachkräftesicherung. Mit dem Projekt „KI-Studios“ befähigt das BMAS zudem Unternehmen und Beschäftigte im Umgang mit KI-Technologien. 

Außerdem stärkt das BMAS die Weiterbildungsberatung regional und digital. Es unterstützt den flächendeckenden Auf- und Ausbau von Weiterbildungsagenturen als regionale Netzwerke der Weiterbildungsberatung und zentrale Anlaufstellen für Unternehmen und Einzelpersonen. Zudem fördert das BMAS die Weiterentwicklung des Nationalen Onlineportals für berufliche Weiterbildung „mein NOW“. Das Portal der Bundesagentur für Arbeit (BA) umfasst insbesondere Informationen zu Berufen und erforderlichen Kompetenzen, Beratungs- und Fördermöglichkeiten auf Bundes- sowie Landesebene sowie den deutschlandweit größten Katalog an Weiterbildungsangeboten. Das Portal kann auch im Kontext der Berufsberatung im Erwerbsleben (BBiE) der BA genutzt werden. Die BBiE fokussiert mit ihrer Beratungsdienstleistung u. a. Beschäftigte, die besonders von Strukturwandel und Transformation betroffen sind und berät zu relevanten Fort- und Weiterbildungsoptionen. Darüber hinaus informiert die BBiE gemeinsam mit dem Arbeitgeberservice der BA zur Weiterbildungsförderung Beschäftigter.

Mit freundlichen Grüßen 

Bärbel Bas

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