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Aydan Özoğuz
SPD
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Frage von Axel F. •

Wie beurteilen Sie die Idee „Boomer for Future“, Senior:innen für Ehrenamt in Schulen/Jugendeinrichtungen zu gewinnen? Können Sie sich vorstellen, dies im Ausschuss zu unterstützen?

Sehr geehrte Frau Özoğuz, die Petition „Boomer for Future“ auf Campact fordert ein bundesweites Programm, das Senior:innen gezielt für ehrenamtliches Engagement im Jugendbereich anspricht – mit kostenfreien Weiterbildungen, einer zentralen Online-Vermittlungsplattform und Anreizen wie Urkunden und Rentenanrechnung. Ziel ist es, die erfahrene und zahlenmäßig sehr starke Boomer-Generation als Brücke in die Zukunft zur Unterstützung junger Menschen zu aktivieren und Schulen sowie soziale Einrichtungen zu entlasten. Das Programm existiert derzeit noch nicht, birgt aber großes Potenzial für Bildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mehr Infos unter: https://weact.campact.de/p/boomerforfuture

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Antwort von SPD

Vielen Dank für Ihre Nachricht und dafür, dass Sie uns die Initiative „Boomer for Future“ vorgestellt haben. Die Idee, Seniorinnen und Senioren gezielt für ehrenamtliches Engagement in Schulen und Jugendeinrichtungen zu gewinnen, ist ein spannender Ansatz – gerade, weil diese Generation über viel Erfahrung verfügt und einen wertvollen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten kann.

Freiwilliges Engagement kann für Seniorinnen und Senioren eine sinnstiftende Tätigkeit sein, den Alltag strukturieren und Einsamkeit entgegenwirken. Viele Seniorinnen und Senioren sind ja auch ehrenamtlich tätig und aus unserem Alltag gar nicht wegzudenken. Der aktuelle Freiwilligensurvey zeigt aber auch, dass ältere Menschen seltener ein neues Ehrenamt aufnehmen als jüngere. Umso wichtiger sind deshalb Initiativen, die den Zugang erleichtern und Orientierung im vielfältigen Engagementangebot geben.

Hier leistet die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) bereits wertvolle Arbeit: Sie fördert Projekte, berät Vereine und Ehrenamtliche, vergibt den Deutschen Engagementpreis, bietet kostenfreie Weiterbildungen an und stellt eine Übersicht digitaler Engagementplattformen bereit, über die Interessierte passende Einsatzmöglichkeiten finden können. Viele Ihrer vorgeschlagenen Ideen greifen also bestehende Entwicklungen auf.

Ihr Anliegen, diese Aktivitäten stärker zu bündeln und gezielt für ältere Menschen weiterzuentwickeln, ist nachvollziehbar und verdient Aufmerksamkeit. Ich würde empfehlen, Ihre Ideen auch mit der DSEE zu teilen.

Kritisch sehe ich den Vorschlag, finanzielle Anreize wie Rentenangleichungen einzuführen. Hier stellen sich grundlegende Fragen: Wo läge die Schwelle, ab der Engagement „belohnt“ wird? Wie würde man unterschiedliche Lebenssituationen, etwa von Menschen im Erwerbsleben, berücksichtigen? Und am wichtigsten: Engagement sollte freiwillig bleiben und nicht durch materielle Anreize unter Druck geraten.

Die Aufgabe der Politik sehe ich daher vor allem darin, die Rahmenbedingungen für Engagement zu verbessern, Bürokratie abzubauen und Ehrenamtlichen wieder mehr Zeit für ihre eigentliche Tätigkeit zu geben. Genau daran arbeiten wir mit dem Zukunftspakt Ehrenamt.

Ich danke Ihnen sehr für Ihre Anregung. Sie greifen ein wichtiges Thema auf, das vielen Menschen im Übergang in den Ruhestand eine wertvolle Chance für gesellschaftliche Teilhabe und Sinnstiftung bietet. Gerne nehme ich Ihre Ideen in unsere weiteren Diskussionen zur Engagementpolitik mit.

Bleiben Sie engagiert.

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