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Awet Tesfaiesus
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Frage von Thomas H. •

Wie beurteilen sie das Verhalten des Kulturstaatsministers Weimer?

Sehr geehrte Frau Tesfaiesus,

Herr Weimer sorgt seit seinem Amtsantritt für Aufregung, indem er einen ideologischen Kulturkampf führt. Dies zeigte sich zuerst beim Genderverbot und zuletzt mit den Ereignissen rund um die drei Buchhandlungen. Nun allerdings zeigt er scheinbar auch Ahnungslosigkeit indem er den Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek stoppt.

Er empfiehlt sich auf das Sammeln von digitalen Medien zu konzentrieren. Die Bibliothek ist jedoch gesetzlich verpflichtet, zwei Exemplare physischer Medienwerke sowie digitale Publikationen zu sammeln. Eine Reduzierung auf Digitalisate würde eine Änderung des Gesetzes erfordern.

Dies zeugt meiner Meinung nach auch von der Unkenntnis Herrn Weimers.

Wie beurteilen Sie dieses Verhalten und ist er damit aus Ihrer Sicht als Obfrau des Ausschuss' für Kultur und Medien noch haltbar?

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrter Herr H.,

vielen Dank für Ihre Frage. 

Wolfram Weimer ist nun gerade einmal ein Jahr im Amt. In dieser kurzen Zeit hat er nun bereits mehrmals versucht, der Kulturbranche seine eigenen politischen Ansichten überzustülpen. Sei es bei der Programmplanung des Hauses der Kulturen der Welt, der Berlinale oder beim Buchhandlungspreis. Nicht zu vergessen BKM Weimers Verstrickungen um den sogenannten Ludwig-Erhard-Gipfel der Weimer Media Group.

Seine Entscheidung, den bereits geplanten Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek zu stoppen, ist absolut nicht nachvollziehbar. Wie Sie richtig schreiben, kann man den Sammlungsauftrag der Nationalbibliothek nicht einfach so wegwischen. Abgesehen von den rechtlichen Schwierigkeiten, ist eine rein digitale Sammlung zudem auch nicht praktikabel. Niemand kann gewährleisten, dass die digitalen Speichermedien in 100 Jahren noch ausgelesen werden können. Im schlimmsten Fall würde kontinuierlich Geld und Arbeitszeit damit gebunden werden, dass die digital aufbewahrten Medien stetig in neuen Formaten gesichert werden müssen. In einem Umstieg auf eine rein digitale Speicherung sehe ich daher, anders als Herr Weimer, kein Sparpotential. 

Für mich steht fest, dass Bücher ein bedeutendes Kulturgut sind, das Wissen, Ideen und Erfahrungen über Generationen hinweg bewahrt und weitergibt und damit von unschätzbarem Wert für die Nachwelt ist. Eine ausschließlich digitale Aufbewahrung kann diese physischen Zeugnisse unserer Kultur und Geschichte nicht vollständig ersetzen.

Beste Grüße

Awet Tesfaiesus

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