Porträt von Antonia Hillberg in einem blauen Blazer.
Antonia Hillberg
SPD
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Frage von Martin N. •

Wie bewerten Sie die aktuellen Honorarkürzungen in der Psychotherapie und was planen Sie / Ihre Fraktion, dass Weiterbildende und Psychotherapeutische Leistungen zukünftig angemessen vergütet werden?

Sehr geehrte Frau Hillberg,
die aktuellen Honorarkürzungen in der ambulanten Psychotherapie beunruhigen mich sehr. Diese treffen nicht nur niedergelassene Kolleg:innen, sondern auch uns Studierende und angehende Psychotherapeut:innen.
Ich studiere im KLiPPs-Master an der Universität Hildesheim und erlebe die Kürzungen sowie die unsichere Vergütung in der postgradualen Weiterbildung als erhebliche Zukunftsangst. Nach Jahren intensiver Ausbildung ist derzeit nicht gewährleistet, dass wir während der Weiterbildung angemessen vergütet werden.
Im Vergleich zu haus- und fachärztlichen Kolleg:innen erwirtschaften Psychotherapeut*innen schon jetzt nur den halben Ertrag pro Stunde bzw. pro Praxis – und das bei gleichem Arbeitseinsatz und nach Abzug der jeweiligen Praxiskosten.
Die anliegende Petition hat bereits 400.000 Unterschriften:
https://www.change.org/p/monatelange-wartezeiten-und-jetzt-werden-psychotherapeutische-leistungen-gekürzt
Mit freundlichen Grüßen
M. N.

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Antwort von SPD

sehr geehrter Herr N.,

vielen Dank für Ihre Nachfrage und Ihr Engagement.

Die aktuellen Entscheidungen zur Vergütung psychotherapeutischer Leistungen werden derzeit intensiv diskutiert. Auch ich nehme die Kritik und die Sorgen vieler Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sehr ernst und teile diese ausdrücklich. Gerade vor dem Hintergrund eines hohen Bedarfs und häufig langer Wartezeiten auf Therapieplätze ist die Absenkung der Vergütung ein falsches Signal.

Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Versorgung vieler Menschen. Dafür brauchen sie verlässliche und angemessene Rahmenbedingungen. Die aktuelle Entwicklung darf nicht dazu führen, dass sich die Situation weiter zuspitzt – weder für die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten noch für die gesetzlich Versicherten, die bereits heute oftmals besonders lange auf einen Therapieplatz warten.

Die konkrete Ausgestaltung der Vergütung wird allerdings nicht durch die Landespolitik entschieden, sondern im Rahmen der gemeinsamen Selbstverwaltung auf Bundesebene. Im (erweiterten) Bewertungsausschuss verhandeln Vertreterinnen und Vertreter der Ärzteschaft und der gesetzlichen Krankenkassen, unter Einbeziehung unabhängiger Sachverständiger, über die Höhe der Vergütung. Damit soll sichergestellt werden, dass Entscheidungen möglichst nah an der Versorgungspraxis getroffen werden und sowohl die Perspektive der Behandelnden als auch die der Kostenträger angemessen berücksichtigt werden. Die Politik ist an diesen Verhandlungen nicht beteiligt und hat auf die konkreten Entscheidungen keinen unmittelbaren Einfluss.

Gleichwohl setzen wir uns auf politischer Ebene bereits dafür ein, dass die berechtigten Anliegen der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in diesem Prozess angemessen berücksichtigt werden und tragfähige Lösungen im Sinne einer guten Versorgung gefunden werden.

Unabhängig von der aktuellen Entscheidung zeigt die Debatte allerdings auch, dass es weiteren Handlungsbedarf in der psychotherapeutischen Versorgung gibt. Viele Menschen warten weiterhin zu lange auf einen Therapieplatz. Deshalb kommt es entscheidend darauf an, die Strukturen insgesamt weiterzuentwickeln, etwa durch eine bessere Bedarfsplanung, einen schnelleren Zugang zu passenden Angeboten und eine stärkere Steuerung der Versorgung.

Ein zentraler Hebel ist dabei aus meiner Sicht die Reform der Bedarfsplanung auf Bundesebene, damit der tatsächliche Bedarf an Therapieplätzen künftig besser abgebildet wird. Dafür setzen wir uns als niedersächsische SPD-Fraktion gemeinsam mit der niedersächsischen Landesregierung bereits seit längerem ein und werden dies auch weiterhin tun.

Mir ist wichtig, dass die Situation der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ebenso wie die der Patientinnen und Patienten im Blick bleibt. Ziel muss es sein, die Versorgung insgesamt nachhaltig zu verbessern.

Freundliche Grüße,
Antonia Hillberg

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