Werden Sie für die Kopplung des Renteneintritts Alters an die Lebenserwartung stimmen? Und wenn ja, wie spricht dies ihrer Überzeugung?
Sehr geehrte Frau Klose, ich schreibe Ihnen als junger Wählerin, die die aktuelle Politik der SPD leider wenig nachvollziehen kann.
Im Kontext meiner oben gestellten Frage ist für mich nicht klar, warum entgegen dem Willen des überwiegenden Teils der Wählenden das Eintrittsalter von nun an stetig steigen wird. Ich vermisse in dieser Debatte, dass auch Alternativen diskutiert werden, die nicht auf Kosten der sozialpolitischen Ebene gehen. Mir ist klar, dass das Funktioniere des Rentensystems auf Neuerungen angewiesen ist. Ich kann allerdings nicht nachvollziehen, warum beispielsweise kein nachhaltiges System für eine geregelte Zuwanderung und echte Integration (auch in den Arbeitsmarkt) als Lösung verhandelt wird. Denn dass es in Deutschland nicht genügend Arbeitskräfte gibt, um das Rentensystem zu finanzieren und andererseits aktuell sehr viele junge Menschen gerne nach Deutschland kommen würden, erscheint mir zumindest diskussionswürdig.
Vielen Dank für Ihre Zeit.
Sehr geehrte Frau S.,
vielen Dank für Ihre Mail und ihr Engagement bei diesem wichtigen Thema.
Zunächst freue ich mich, dass wir mit den Vorschlägen ein stimmiges Gesamtpaket schnüren konnten. Mit einer vollständigen Umsetzung erreichen wir wichtige Fortschritte für uns gemeinsames Alterssicherungssystems. Gleichzeitig möchte ich betonen, dass dieses Ergebnis nur möglich war, weil alle Seiten Kompromisse eingegangen sind. Umso erfreulicher ist es, dass wir am Ende dennoch eine einstimmige Einigung erzielen konnten.
Mit den Vorschlägen erreichen wir für alle Versicherten ein höheres Rentenniveau als nach geltendem Recht, wovon insbesondere die jüngeren Generationen profitieren werden. Zugleich wird sich der Beitragssatz deutlich günstiger entwickeln, als dies ohne eine Reform der Fall wäre. Ganz wichtig ist auch das Bekenntnis der Rentenkommission zu einer Erwerbstätigenversicherung, in die alle Menschen einzahlen. Dafür werden wir im ersten Schritt alle neuen Selbstständigen in die gesetzliche Rente integrieren. Dasselbe gilt für Abgeordnete im Bundestag und den Landtagen sowie Vorstandsmitglieder von Aktiengesellschaften. Damit schließen wir eine Sicherungs- und Gerechtigkeitslücke. Auch Beamt:innen sollen perspektivisch in die GRV geholt werden – aufgrund der komplexen Rechtslage ist das aber eine Aufgabe, die uns mehr Zeit kosten wird. Daher sollen in der Zwischenzeit Rentenreformen wirkungsgleich auf Beamtenpensionen übertragen werden.
Eine Verbesserung der Gesetzlichen Rente erreichen wir unter anderem mit einer Kopplung der Entwicklung des Renteneintrittsalters an die Lebenswartung. Hierdurch käme es nach aktuellen Prognosen zu einer moderaten Anhebung des Renteneintrittsalters, wobei nach aktuellen Prognosen erst in den 2090er-Jahren ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren erreicht werden würde. Dieser Mechanismus ist jedoch kein Automatismus: Sollte die Lebenserwartung in den nächsten Jahren stagnieren odersinken, steigt auch die Regelaltersgrenze nicht. Insgesamt war es das Ziel, dass ein ausgewogenes Verhältnis zwischen durchschnittlicher Erwerbszeit und Rentenbezugszeit von 2:1 sicherzustellen. In Verbindung mit der moderaten Ausgestaltung der Anhebung des Renteneintrittsalters von sechs Monaten alle zehn Jahre kann ich das als Sozialdemokratin vertreten, auch weil hierdurch ein höheren Rentenniveau abgesichert werden kann.
Abschließend möchte ich mich nochmal für Ihre Nachricht bedanken. Mir liegt der Austausch mit engagierten Menschen immer am Herzen und ich betrachte diesen als Bereicherung für meine parlamentarische Arbeit.
Mit freundlichen Grüßen
Annika Klose

