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Andrew Ullmann
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Frage von Robert O. •

Warum wurden erst jetzt Impfstoffe zugelassen, die auf mRNA-Basis funktionieren? Wie gefährlich sind Kreuzimpfungen? Welchen Sinn hat die Sonderbehandlung von Nicht-Geimpften?

Sehr geehrter Herr Prof. Ullmann,

1) Impfstoffe, die auf mRNA-Basis entwickelt worden sind, gibt es seit 30 Jahren (Rein Verbeke, Ine Lentacker et al.: Three decades of messenger RNA vaccine development. In: Nano Today. 28, 2019, S. 100766). Warum wurde Impfstoffe, die diese Methode nutzen, nie zuvor in Deutschland zugelassen, bis das Covid-19 Virus auftauchte?
Seit wann ist Ihnen diese Methode zur Entwicklung von Impfstoffen bekannt?
2) Die Bundesregierung empfiehlt sogenannte Kreuzimpfungen. Die WHO rät von dieser Verfahrensweise ab (https://www.morgenpost.de/vermischtes/article232786297/kreuzimpfung-corona-astrazeneca-biontech-moderna-who-stiko.html): Wie verteidigen Sie die Entscheidung der Bundesregierung und das Risiko, das damit eingegangen wurde (z. B. Autoimmunreaktionen)?
3) Untersuchungen zeigen, das vollständig Geimpfte ebenfalls Superspreader sein können. Wozu dann die beabsichtigte Sonderbehandlung Nichtgeimpfter, wenn nicht um Druck auszuüben?

Beste Grüße
R.Oldach

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Antwort von
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Sehr geehrter Herr O.

ich habe an der Universitätsmedizin Mainz mit den BioNTech-Gründern zusammengearbeitet. Die Technik ist mir also schon lange bekannt. Es ist aber nicht richtig, dass es schon seit 30 Jahren Impfstoffe auf mRNA-Basis gibt. Richtig ist, dass seit über 30 Jahren an der Technik gearbeitet wird, dass auch klinische Studien durchgeführt wurden. Vornehmliches Ziel war immer die Prävention von Krebs. Das erste RNA-basierte Arzneimittel wurde von der EMA und der FDA 2018 zugelassen. Das Prinzip war länger bekannt, Schwierigkeiten bereitete die molekulare Stabilität des mRNA-Moleküls. Es war Glück und Können der Wissenschaftler, dass sie es geschafft haben, einen wirksamen Impfstoff auf mRNA-Basis innerhalb von kürzester Zeit zu entwickeln. Denn der genetische Code von Viren bleibt relativ stabil und einheitlich, von wenigen Mutationen abgesehen. Entartete Zellen, wie Krebszellen, sind nicht einheitlich und sind daher schwieriger anzusteuern. Der Erfolg der Vakzine kann dazu führen, dass wir auch gegen andere Viren erfolgreiche Impfstoffe entwickeln können. 

Die WHO rät nicht von diesem Verfahren ab. Das steht auch nicht in dem Artikel, den Sie verlinken. Die WHO rät dazu, nicht eigenmächtig die Vakzine zu mixen. Voraussetzung sind immer Studien und die dazugehörige Datenauswertung. Die ist bei den in Deutschland verimpften Kreuzimpfungen zeigen gute Immunantworten und es wird in diesem Bereich nur evidenzbasiert gehandelt.  

In der Tat handelt die Bundesregierung nach dem Motto, dass die Ungeimpften unter Druck gesetzt werden sollen. Ich halte das für falsch, weil die Beweislage eindeutig ist und jeder vernünftige Mensch zu der Einsicht kommen sollte, dass die Risiken der Impfung geringer sind als jener einer Erkrankung. Ausnahmen sind jene, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können. Alle Nichtgeimpften werden sich früher oder später bei der Infektiösität des Virus’ infizieren. Hier kann ich nur dazu raten, dass geringere Risiko einer Impfung schnellstmöglich wahrzunehmen.  

Mit den besten Grüßen

Andrew Ullmann

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